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Mitten drin - Am Ende der Welt  

 

Text / Fotos: Frank Gindler

 

 Mongolei  

 

Es gibt nur wenige Fleckchen Erde, deren Bewohner behaupten können: „.... meine Urahnen lebten hier schon vor über zig Tausend Jahren“. Die Mongolei zu bereisen ist ein einprägsames, ein unvergessliches Erlebnis – und ein Weg zurück zum eigenen Ich. Wer die unendlichen Weiten liebt, losgelöst von GPS-Navi, Straßen und Verkehrsschildern, taucht ein in eine andere Zeitrechnung, ohne Hektik und der Gefahr eines Burnouts. Hier gelten die Gesetze der Natur und wer hier lebt, ist „frei“. Noch.

Ulaanbaatar

Die grenzenlose Freiheit beginnt erst ab der Stadtgrenze von Ulaanbaatar, dempolitisch, wirtschaftlich und kulturellem Zentrum der Mongolei. Mit der Mongolei Airline MIAT (ja – auch die gibt es) fliegt man ab Frankfurt im Direktflug in zehn Stunden in die quirlige Hauptstadtmetropole. Es erspart das umständliche Umsteige-Prozedere, via Moskau, Peking u.a.

Gelandet wird auf dem (wie kann er anders benannt sein) Chinggis Khaan International Airport, etwa außerhalb der Stadt. Übersetzt heißt Ulaanbaatar „Roter Recke“ und ist angeblich die kälteste Hauptstadt der Welt. Schon im Anflug beeindruckt die imposante Stadtkulisse. Architektonisch beachtlich sind die gläsernen Hochbauten und zeugen von der wirtschaftlichen Aufbruchsstimmung*. Ein Beweis hierfür ist auch das Porsche Zentrum an der Sunny Rd. 36. Wenn, dann wird hier der Cayenne gefahren. Das, auch weil er Off-Road tauglich ist und die teils bis zu acht cm hohen Asphaltlöcher, die sich völlig unverhofft auftun, spielend „wegsteckt“. Die einstigen unübersehbaren Bauten des Gandan-Klosters, dem Bogd-Khan-Tempel/Palast  oder der Tempelkomplex des Choijin-Lamyn-Museums müssen sich, so scheint es, dem Kommerz unterordnen, bilden aber mit ihren grünen geschwungenen Dächern und oftmals mit Blattgold überzogenen Statuen einen wirkungsvollen Kontrast. Der Buddha-Park, 2005 eröffnet, gibt als Erholungspark im Zaisontal, den Stadtbewohnern das zurück, was sie draußen auf dem Land kostenlos haben könnten – Frei-Raum.     

Einen anschaulichen Überblick über das Leben der Mongolen, ihrer Gebräuche und Sitten und die Tier- und Faunawelt wird in zahlreichen Museen gezeigt. Viel erfährt man auch bei den unterschiedlichen Theater-, Ballett-, Volkslieder- und Tanzaufführungen, die im Opernhaus aufgeführt werden. Unübertroffen ist „Khoomi“, eine Gesangstechnik, die aus dem Klangspektrum der Stimme einzelne Obertöne so herausfiltert, dass sie als getrennte Töne wahrgenommen werden und der Höreindruck einer Mehrstimmigkeit entsteht (Quelle: Wikipedia). Einen Vorgeschmack erhalten Sie hier. 

Damit erhält man für später, für draußen in der freien Natur, ein besseres Verständnis und Verhältnis, zu den als Nomaden umherziehenden Mongolen.

Was kauft der Tourist in der Mongolei ein? Klar – Kaschmir. Natürlich gibt es einen Shop, in dem man das günstig kaufen kann. Wer sich vorher in Land & Leute eingelesen und erfahren hat, dass die Menschen „klein, hässlich, mit platten Nasen und krummbeinig“ durch die Gegend laufen, wird eines Besseren belehrt. Schön sind die Models anzuschauen, wenn sie mehrmals am Tag den kaufwilligen Touristen aus aller Welt erlesene und teure ECHTE Kaschmirmodelle* vorführen. Es wird fleißig und viel gekauft. 

Gerade die jungen Mongolen zieht es weg von Kamelen, Pferden und Jurte-Hütten*. Sie wollen in die Stadt, teilhaben am modernen Leben – um jeden Preis auch dem der bisherigen unbezahlbaren grenzenlosen Freiheit. Die prächtige Nationaltracht, die schon die Kleinen tragen, der knöchellange Mantel „Deel“ mit aufknöpfbarem Brustlatz, Stehkragen und einem eng um die Taille gewickelten Stoffgürtel, wird eingetauscht gegen lässige Jeans und Baseball-Cap, Made in China, dem eigentlichen „Erzfeind“. Nur an besonderen Feiertagen wird voll Stolz der Deel aus dem Schrank geholt und die reich mit Ornamenten verzierten „Gutul“, die ledernen Reiterstiefel, angezogen. Mit dem Schlafen unter dem freien Himmel ist auch Schluss. Stattdessen funkeln nächtens die Discolichter und die Gesichter wirken im kalten Licht der Smartphones (hauptsächlich in der Stadt als Kommunikationsmittel eingesetzt) noch fremder. Viele studieren hier und „büffeln“ für ein besseres Leben, weit weg von ihren Eltern, die sie nur in den Ferien besuchen können. Andere machen „auf Business“. Die Mongolen besitzen riesige Kupfer-, Kohle- und Goldvorräte. Das ist Fluch und Segen zugleich wie bei der Oyu-Tolgoi-Mine zu beobachten, die als eine der größten Kupfer- und Gold-Förderstellen der Welt das Land in die Abhängigkeit des Nachbarn China und der Rohstoffbörsen in aller Welt zieht. 

 

Das Steppenland, das so reich wie Dubai sein könnte, verfügt über 2,1 Billionen US-Dollar an Rohstoffen. (Q.Welt.de, Stand 2014)   

Rechnerisch wäre, legt man die Boomjahre 2010-2014 zugrunde, jeder Mongole ein Fast-Millionär – rein theoretisch. Den wirtschaftlichen Einbruch der letzten zwei Jahre versucht man mit der Tourismusbranche wieder etwas aufzufangen: In den nächsten Jahren sollen etwa eine Million Touristen aus aller Welt pro Jahr „die Weiten des Landes“ erkunden. Dem schnellen Geld folgend stehen, wie an jedem Großstadtrand, 20-, 30-stöckige uniforme Schlaf- und Wohnsilos und bilden eine schier unüberwindbare Betonmauer. Sie sind für den Teil der Bevölkerung, die sich die Innenstadtlagen nicht (mehr) leisten können. Also alles so, wie überall auf der Welt. In Ulaanbaatar leben etwa 1,5 Mio. Menschen, das ist knapp die Hälfte der Gesamtbevölkerung.

Kaschmir*

Die Mongolei ist eines der größten Produktions- und Exportländer für Kaschmir, gewonen von den im Hochgebirge lebenden Kaschmir-Ziegen. Und so bleibt es nicht aus, dass „Edles von der Ziege“ das beliebteste Souvenir für Mongolei-Reisende ist: Pullover, Decken und feine Schals, handgefertigt aus dem besten Wollstoff der Welt. Eine Schur ergibt durchschnittlich nur bis zu 500 Gramm des wertvollen Flaumhaars. So ein bunter Deel (traditioneller mongolischer Mantel) ist multifunktional und wird sommers wie winters getragen, bei Kälte mit Ziegenfell unterfüttert. Er dient als Kleidungsstück, Tasche, Decke und, das ist ziemlich praktisch... ebenso 

zu verwenden als Sichtschutz bei der Toilette in der Steppe. 

Die besten Einkaufsmöglichkeiten gibt es in der Hauptstadt, bezahlt wird mit Kreditkarte oder in der mongolischen Währung Tögrög. Neuerdings wird das „Kaschmir“ von Kamelhaaren verwendet. Ihre Haarfasern sind mit 17 Miktometer fast so dünn, wie die der Ziegen, aber viel robuster und wesentlich billiger. Also Augen auf beim Kaschmirkauf.