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Geschäftstüchtige Kofferträger am Airport versuchen, sich mit nur einem Deal ihren Tageslohn zu erwirtschaften. Fordernd zeigen sie dem Neuankömmling einen 200 Rand Geldschein (umgerechnet 13,33 Euro!) mit dem Konterfei ihres Nationalhelden, Nelson Mandela. Gibt man nur 50 Rand (ca. 3,30 Euro), was immer noch viel zu viel ist für den kurzen Weg vom International Terminal zum Domestic Bereich, hört es für sie auf mit der Höflichkeit, wortlos lassen sie einen einfach stehen. 

http://www.suedafrika.net/suedafrika/gesellschaft/armut.html 

 

Und trotz allem: Wer das erste Mal hierher kommt, ist überrascht von der offensichtlichen Sauberkeit, die überall*) herrscht. Schmucke kleine, schön verputzte Einfamilienhäuser säumen die Straßen, die sauber gekehrt sind. Kein Abfall, kein Plastikmüll, der, wie so oft in deutschen Großstädten, immer mehr unsere Stadtbilder verschandelt. 

In den nächsten Tagen werden wir eine Reihe von Golfplätzen bespielen, die für jede Spielstärke hohe Anforderungen stellt. Mehr darüber lesen Sie in der Sommerausgabe Ihres PCLife-Magazins. Diese Story »The One« ist losgelöst von schönen Golfgrüns, den »Big Five«, der Kurzbezeichnung für einen Safaritrip mit Tierbeobachtung, und/oder anderen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Er- und Bekenntnissen über und zu Südafrika, das ungefähr 3,5 mal größer als Deutschland ist. 

 

Pride of Africa 

Es ist eine unvergessliche Reise, sich mit dem Rovos Rail von Durban am Indischen Ozean nach Pretoria, der Hauptstadt des Landes, fahren zu lassen. Dass wir auf ungewöhnliche Art dem Nationalhelden von Südafrika, Nelson Mandela, begegnen, erhöht den Erinnerungswert enorm. Am Hauptbahnhof in Durban wartet man schon auf uns. Am eigenen Gleis 14 steht die Pride of Africa, ein Nostalgiezug mit dem ganz besonderen Flair. Der Welcome Drink am Salonwagen lässt viel Gutes vermuten. Für die nächsten drei Tage sind wir auf Schmalspur gesetzt, was sich jedoch nur auf die Breite der Zuggleise bezieht, und in keiner Weise auf den hervorragenden Service, die sehr guten Weine, das Essen und das reichhaltige Sortiment an Getränken, die im Salon, im Restaurant und auf der Terrasse kostenfrei gereicht werden. 

1989 gründete Rohan Vos seine eigene private Eisenbahngesellschaft und führte sie nach vielen Höhen und Tiefen zur exklusivsten seiner Art in der Welt. Ob nur 48 Stunden unterwegs oder 14 Tage: Die Pride of Africa verbindet die schönsten Ziele Afrikas miteinander. Ob von Kapstadt an der Südspitze Afrikas bis Daressalam in Tansania, von den Wildreservaten in Mpumalanga (Krüger Park) zu den Victoria-Fällen, von den Wüstenlandschaften Namibias und der kahlen Schönheit des Karoo bis zu den üppigen Schilfrohrfeldern von KwaZulu-Natal, auf der herrlichen Garden Route entlang der Kap-Südküste … oder von Durban nach Pretoria zur Capital Park Station, dem Heimatbahnhof. 

Pro Waggon gibt es drei Kabinen, pardon, (Junior-) Suiten mit großem Doppelbett, das die Hälfte des Raumes einnimmt. Lässt man die schweren Holzrollos an den vier großen Fenstern einen Spalt oder ganz herunter, ergießt sich fast zu viel Tageslicht bis in jeden Winkel. Darüber hinaus gibt es einen kleinen Sekretär, zwei Stühle und einen Einbaukleiderschrank. Purer Luxus ist das eigene Bad mit Dusche/WC. Das toppen nur die Suiten, die – wahrhaftig – jede eine eigene Badewanne haben. Hervorragend gelöst ist das Verstauen der Koffer. Sie werden über einer Ausbuchtung in den Kabinen abgelegt und somit quasi über den Köpfen der Gäste, die draußen in den Fluren entlanggehen. Die Holzvertäfelungen im gesamten Zug, die schweren Stoffe und weichen Teppiche, das blank geputzte Messing und die schweren Sitzmöbel im Salon stehen für den 5-Sterne-Luxus und -Komfort. Das Ambiente im Restaurant mit Vierer- und Zweiertischen ist gediegen. Interessant ist die Logik, dass die Schiebetür beim Verlassen der Suite einfach von außen zugezogen wird, diese also NICHT abgeschlossen ist. Befindet man sich jedoch in seinem Abteil, sollten/müssten/können die Türen von innen verschlossen sein. Die meiste Zeit verbringen die Gäste ohnehin außerhalb »on tour« oder man trifft sich im Salon, im Restaurant oder ganz hinten im letzen Waggon mit seiner offenen Terrasse und einer eigenen verglasten Raucherlounge. 

ONLY ONE
Pride of Africa – von Durban nach Pretoria

 

Südafrika liegt für viele in weiter Ferne, dabei ist es doch so nah. Eine Nacht vergeht im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug – und schon ist man zum Frühstücken 8.000 Kilometer entfernt in Johannesburg/Südafrika angekommen.        Text und Foto: Frank J. Gindler 

 

Einschieben möchte ich an dieser Stelle, dass die deutschen öffentlichen Medien ein völlig falsches und verzerrtes Bild von Südafrika zeigen! Mord und Todschlag wären hier an der Tagesordnung, Raub und Überfälle allgegenwärtig. Nichts von dem habe ich selbst erlebt und auch die circa 40 Mitreisenden konnten zu dieser Thematik keinen Beitrag leisten. Etliche von ihnen wohnen seit zig Jahren in Johannesburg und fühlen sich nach wie vor sicher. Auch außerhalb der Städte sind die Straßen in einem guten Zustand, sauber, breit und wenig befahren. Es gibt überall Tramper, doch niemand muss jemanden mitnehmen. Die Autos sind elektronisch so abgesichert, dass die Türen und der Kofferraum von außen nicht geöffnet werden können. Natürlich gibt es Gegenden und Stadtviertel (Squatter Camps), die tunlichst zu vermeiden sind, ob am hellen Tag oder in der Nacht. Doch in welchem Land gibt es das nicht? 

Zu einem Welcome Drink treffen sich die Reisenden in der Lounge und folgen den Einführungen von Joe Mathala, der die Verhaltensregeln in »seinem« Zug erklärt, während die Servicecrew stets lächelt und aufmerksam Getränke und Snacks anbietet. Alles an Bord ist frei bzw. im Preis von ca. 1.000 Euro (Pullmann Suite ca. 2.000 Euro) für diese Reise enthalten: das reichhaltige Frühstück à la carte, Sekt und Kanapees, Kuchen und Torten, Obst, das zwei Mal tägliche 3-Gänge-Menü (Lunch/Dinner) mit begleitenden Weiß- und Rotweinen, die Whisk(e)ys, die Gin Tonics, die Cocktails oder auch ganz simples Mineralwasser. Die Strecke zwischen Durban und Pretoria ist mit cirka 600 Kilometern relativ kurz. Im Klartext bedeutet das, dass der Zug nicht allzu schnell unterwegs ist, viele Halts sind dem laufenden Zugverkehr zuzuschreiben und während die Gäste schlafen, steht auch der Zug still auf einem Abstellgleis. 

Ein erster großer Landgang steht bevor. Während einige ihr Golfbag bereitstellen, um in einer cirka 50-minütigen Autofahrt beispielsweise den Champagner Golf Course nahe Winterton im Cathkin Park zu spielen, wechseln die meisten die bequemen Salonsitze im Zug gegen eine harte Bank auf dem Safariwagen, um sich auf die Spuren der »Big Five« zu begeben, jener Gattungen wilder Tiere, die stellvertretend das Naturparadies Südafrika symbolisieren: Elefant, Spitzmaulnashorn, Büffel, Leopard und Löwe. Wer meint, für seine gebuchte Safaritour auch die Garantie mit eingekauft zu haben, Auge in Auge einem oder sogar allen »Big Fives« gegenüber stehen zu können, der irrt sich. »Wir sind hier nicht im Zoo«, erklärt der Scout. Hier ist es umgekehrt: Die Tiere in der freien Wildbahn tun das, was sie wollen, und wir Menschlein sitzen wohl geschützt auf dem Pritschenwagen und haben zu warten. Zum Glück sind Zeitpunkt und Stelle gut gewählt. Ehrfurchtsvoll bestaunen wir die wilden Tiere, viele von uns zum ersten Mal im Leben. Ein gewisses Kribbeln an der Wirbelsäule entlang verstärkt den Anblick. Es ist ungefähr so, wie es manche TV-Sender in ihren Tier- und Natur-Dokumentationen zeigen. Na ja, fast so. Bei unserer Rückkehr werden wir in den Luxuswaggons mit frischen Tüchern und einem Sektempfang begrüßt. Die gut gekelterten Trauben stammen aus den seit über 300 Jahren betriebenen südafrikanischen Weinanbaugebieten der Provinz Westkap. Zum abendlichen Dinner wirft sich jeder in Schale, schon bei der Anmeldung wird darauf hingewiesen, dass für die Männerwelt Krawatte und Jackett Pflicht sind. Notfalls hilft der Minishop im Zug mit Accessoires aus. Das ist gut so und wird dem Ambiente im nostalgisch gestylten Speisewagen mehr als gerecht. Die Atmosphäre ist entspannt, die Gespräche wandern von Tisch zu Tisch, während das fleißige Serviceteam das 3-Gänge-Menü serviert. 

Im Laufe der nächsten drei Tage wird aus den Individualreisenden eine bunt gemischte, vertraute Gruppe aus allen Herrenländern. Amerikaner, Australier, Engländer, ein paar Deutsche, aber auch Einheimische, Zuwanderer und »Über-Winterer« aus Europa, die Urlaub vom Urlaub machen, treffen sich hier. Der Höhepunkt dieser Reise ist sicherlich die Besichtigung des Monuments Nelson Mandela, auf das Joe schon im Vorfeld hingewiesen hatte. Cirka drei Kilometer vor dem Zwischenstopp Howick, KwaZulu-Natal, fahren wir an ein »paar Eisenstangen« vorbei, die von Weitem betrachtet wie verrostete Eisenstangen in den blauen Himmel ragen, ähnlich dem vergeblichen Versuch, ein Stahlgerüst für ein Haus aufzubauen.

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The Long Walk to Freedom 

Um diesen Satz wirklich zu verstehen, halten wir mit unserem kleinen Minibus nicht direkt am Monument, sondern fahren ein paar hundert Meter weiter zu einer unauffälligen Halle, dem Nelson Mandela Capture Site, Apartheid Museum. Hier an der R103, einer ruhigen Landstraße, wurde Nelson Mandela am 5. August 1962 gefangen genommen. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen (18.02.2014). Der einzige Minishop ist mit schweren Eisengittern verschlossen. Das ist also die Gedenkstätte zu Ehren des großen Nobelpreisträgers und Menschenrechtsaktivisten. So viel Einsamkeit hätte man hier nicht erwartet. Zum Glück für uns, denn zumindest zu seinem Gedenken am Todestag (5. Dezember 2013) dürfte es mit der Beschaulichkeit an diesem Ort vorbei sein. So haben wir Zeit und Muße, den »langen Weg zur Freiheit« zu begehen und uns bewusst zu werden, was seine 27 Jahre Gefängnis bedeuten, seine Freilassung 1990 und seine Lebensaufgabe in der Anti-Apartheid-Bewegung. An einem genau fixierten Punkt sehen wir in 35 Metern Entfernung Nelson Mandela in Übergröße vor uns. 50 Eisenstangen, jede zwischen 6,5 und 9,5 Meter hoch, jede steht für ein Jahr seit seiner Gefangennahme, wurden in den Boden gerammt und offenbaren das Porträt des Nobelpreisträgers. Nur wer genau hinschaut, die richtige Sichtweite hat, wird ihn erkennen, seine Augen, den Mund, die Nase. Ein ehrfurchtsvoller Anblick, weil das Bild eigentlich aus dem Nichts, den Irrungen und Wirrungen, dem Unwahrscheinlichen entstanden ist. Eindrucksvoller konnte der Bildhauer Marco Clanfanelli aus Johannesburg dieses Memorial 2012 nicht konzipieren, um so das Leben von Nelson Mandela zu charakterisieren. Wer nur einen Fußbreit links oder rechts des fixierten Standpunkts steht, einen falschen Blick wagt – sieht nichts! Nur Un- und Missverständlichkeiten! Das macht nachdenklich. Und genauso gehen wir den Weg zurück und sind froh, hier und jetzt allein zu sein. Mit völlig anderen Augen durchwandern wir nochmals die große Museumshalle, die eigentlich nur aus Plakatwänden und Transparenten besteht. Wie ein Irrgarten angeordnet, zeigen sie den Lebensweg des einzigartigen und großen Hoffnungsträgers Südafrikas. Fragen wir ein paar Jahre später nach, ob und wie sich wirklich etwas zum Positiven verändert hat. Wieder zurück in unserem Pride of Africa will das gereichte Glas Sekt nicht wirklich gut schmecken. Zu nachhaltig sind die Eindrücke von dem eben Erlebten. Das Candlelight-Dinner, die gedämpfte Atmosphäre im Speisewagen, man ist froh, wieder im Hier und Heute sein zu dürfen. Es ist unsere letzte Nacht. 

Google Maps offenbart die Verbundenheit zwischen Südafrika und Deutschland. Auf unserer Strecke zum Heimatbahnhof der Pride of Africa liegen Städtchen wie Vrede, Frankfort oder Heidelberg. Heimatgefühle? Nein, nicht wirklich. Denn das Klima hier ist angenehm und erinnert an die schönen Sommertage in Deutschland. Die Temperaturen (27 Grad), das Klima und die Landschaften sind hier ähnlich wie in Bayern oder in der Toskana. Während wir im Restaurant noch unseren Lunch einnehmen, wird unser Gepäck schon aus den Abteilungen zusammengetragen, das umgehend bei unserer Ankunft an der Capital Park Station in Pretoria ausgeladen wird. Und bevor wir uns in alle Himmelsrichtungen verabschieden, genießen wir die gemütliche Atmosphäre in der Lounge, stärken uns am reichhaltigen Büfett und versüßen uns den Abschied mit Mangos, Erdbeeren oder Weintrauben aus den großen Obstschalen. 

Um allen Widrigkeiten einer Südafrika-Reise schon im Vorfeld aus dem Weg zu gehen, empfiehlt sich die Beratung durch ein Reisebüro, das die Regionen wie seine Hosentasche kennt, mit der Mentalität der Menschen eng vertraut ist und sowohl die Gewohnheiten als auch die Besonderheiten herausstellt. Wolfgang Pinder kennt Südafrika seit Jahrzehnten und bereist das Land mehrmals im Jahr (besonders Golfreisen). Mehr Infos unter Classic Golf Tours, Pinder Reisen, Stuttgart, und www.classicgolftours.de