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Am Ende der Welt (Argentinien – Feuerland)

 

Text: Frank Gindler / Fotos: Markus + Frank Gindler

 

 Santiago (Chile) 

 

Nach 13,5 Stunden Flugzeit und eigentlich erst mit der Ankunft am Santiago Airport Comodoro Arturo Merino Benitez beginnt das große Abenteuer: Feuerland-Patagonien.
 

Fast 40 Prozent aller Chilenen (ca. 18 Mio. Einwohner) wohnen in der Stadt bzw. in deren direkter Umgebung, die eingebettet in einem Talkessel am Rio Mapocho liegt. Die schneebedeckten Berge der Hochkordilliere im Osten stets vor Augen.

 

Wir lernen Chliff kennen, der uns vom Airport abholt. Der „Veteran“ spricht perfekt Bay’risch, war er doch vor zig Jahren als GI- Soldat in München (MacGraw Kaserne) stationiert. Noch heute schwärmt der FC Bayern-Fan von den tollen 70, 80er Jahren, in denen die „Amis“ die Bars von München unsicher und die Mädels schwach machten. Der Liebe wegen verzog es ihn nach Santiago und jetzt ist er Fremdenführer und immer „gut d’rauf“. (chliffchile@gmail.com). Es bleiben leider nur ein paar Stunden Zeit die Stadt zu erkunden. Am nächsten Tag wartet schon früh morgen der Weiterflug nach Punta Arenas.


Uns interessieren nicht die Shopping Malls im Geschäfts- und das Einkaufsviertel Providencia, nein, wir möchten Santiago von seiner alltäglichen Seite im Schnelldurchgang erfahren. Auffallend ist jetzt – Anfang Februar – das sommerliche mediterrane Klima mit cirka 25-30 Grad Wärme, das durch den Humboldt-Meeresstrom entlang der Küste beeinflusst wird. Chliff lotst uns mit seinem Fahrer von unserem Eine-Nacht-Hotel Atton El Bosque erst einmal in die Nähe der Fischhallen am Mercado Central mit dem noch bekannteren Fischrestaurant „El Galeón“. Es ist ein Touristenort mit Live-Gitarrenspielern, ein ewiges Kommen und Gehen von Menschenmassen vorwiegend aus Asien. Es gehört zum MUSS jeder Citytour. Ein King Crab für round about 150 US Dollar?  O.k. und danach etwas um den Hunger zu stillen! Zur Ehrenrettung des teuren Restaurants sei bemerkt, dass das Essen wirklich ausgezeichnet schmeckt, die Speisen immer frisch serviert werden, dank der Fischhallen gleich gegenüber! Der Service, trotz vollbesetzter Tische ist freundlich, aufmerksam, sprich umsatzorientiert. Es  wird uns sogar eine englische Speisekarte gereicht.
Um die Stadt von oben zu sehen, fahren wir in die Außenbezirke. Vorbei am Regierungspalast La Moneda, an Museen und Denkmäler. Bemerkenswert das ehemalige Gefängnis mit seinen meterdicken alten Mauern. In Kombination mit viel Glas ist daraus ein architektonisches Highlight entstanden. Am Plaza de Armas mit Kathedrale machen wir einen MUSS-Stopp vor der alten Post. Für Briefmarkensammler eine unermessliche „Fundgrube“ von Briefmarken aus aller Welt, inklusive eine der seltenen schwarzen ONE PENNY Briefmarken.

 

Wer mehr Zeit auf seiner Citytour erübrigen kann, dem sei eine Fahrt mit der Metro empfohlen. Die meisten der Bahnhöfe (z.B. Universidad de Chile, Baquedano, Santa Lucia u.a.) sind mit übergroßen Wandgemälden wahre Kulturstätten. Hoch über der Stadt weht ein beständiger, lauer Wind. Die Luft wird wesentlich besser, die Häuser der Privilegierten entsprechend pompöser, je länger man die kurvigen Straße hochfährt. Architektonisch interessant zu sehen wie sich Santiago mit seinem Sanhattan, dem Bankenviertel und dem 300 m hohen Torre Gran Wolkenkratzer präsentiert. Das Gebäude ist das höchste in ganz Südamerika. Santiago ist eine weltoffene moderne Stadt. Multikulti ist sie schon seit dem frühen 19. Jahrhundert. Überrascht stehen wir vor Schildern mit Angeboten für „Apfelstrudel“ oder „Croissant“. Erholung findet die Bevölkerung beim 365 Tage Skifahren oder in Badeorten wie Valparaiso (UNESCO-Weltkulturerbe) am Meer. Und das alles im Umkreis von nur 100 Kilometern! Den milden Abend lassen wir mit einem Bummel durch Bellavista, dem „Quartier Latin“ im Künstlerviertel von Santiago ausklingen. Kunstgalerien und Ateliers, Krimskramsläden und kleine Bars reihen sich aneinander. Preiswerte Piscola sind Treffpunkt für Musiker, Studenten und Bohemiens. Mit zwei übergroßen Pizzen, einer guten Flasche Wein (Baron Rothschild Almaviva 2009) aus Chiles bestem Weinanbaugebiet Maipo Valley, südlich der Hauptstadt gelegen, endet unsere 8 Stunden-Tour „Santiago de Chile“.
 

* IBERIA
Bevor das große Abenteuer Feuerland-Patagonien beginnt, plagt man sich vom Münchner Airport zum Flughafen Madrid-Barajas. Eigentlich wäre es ein angenehmer Hopser von cirka drei Stunden, hätte man sich rechtzeitig auf der A 319-Zubringermaschine – online eingecheckt und sich einen Sitzplatz in der Economy-class im vorderen Drittel gesichert. Das ist sehr wichtig! Wenn nicht, wird’s problematisch. Die Begrenzung auf je ein Handgepäck ist ausgesetzt. Voll bepackt reicht die Hälfte der Passagiere aus, um alle, auch die hinteren Gepäckablagen unverzüglich völlig auszufüllen. Wer zu spät einsteigt, findet keine Ablagemöglichkeit mehr. Und so sehe ich Fluggäste die ihre Füße für die nächsten zwei Stunden auf ihre Handkoffer stellen, die sie ebenso noch so unter den Vordersitz untergeschoben haben. Die Knie sind dann ungefähr auf Kinnhöhe. Das ist nicht nur gesundheitsschädlich, das grenzt an Nötigung. Der Airline ist es egal, man „muss“ ja nach Madrid fliegen. Wahre Schweißausbrüche für die, die zu allem Übel auch noch an Klaustrophobie leiden. Das geschieht, wenn es dann noch ein zugewiesener Mittelplatz ist, eingeklemmt zwischen zwei nicht gerade schlanken Mitreisenden.
Instinktiv sucht und findet man nach der Ankunft in Madrid, Terminal 4 die führerlose, sprich automatisch gesteuerte U-Bahn zum International Airport Adolfo Suárez am sonst menschenleeren Airport. Um 22 Uhr ist weit und breit kein Personal mehr zu sehen. Die Ausschilderung ist äußerst sparsam. Von hier aus fliegt man weiter mit einer zum Glück größeren (A340-600), nicht vollbesetzten Iberia-Maschine über den Pazifik, den Urwald Brasiliens, und landet nach 13:35 Stunden pünktlich in Santiago de Chile, Argentinien.