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Mitten drin - Am Ende der Welt  

 

Text / Fotos: Frank Gindler

 

 Mongolei Step 2  

 

400 km weiter westlich

Traditionell würden die Männer auf den Rücken ihrer kleinen, reinrassigen Steppenpferde (Urahn ist das Przewalski-Pferd) wie zu Urzeiten vorausreiten, um neue Weidegründe zu prüfen. Die Pferde sind es gewohnt, die extremen Temperaturen (Sommer +40°C, Winter –40°C) schadlos zu überstehen, was man von den motorgetriebenen Fahruntersätzen nicht immer behaupten kann. Die Frauen würden zu Fuß die Yaks und Ochsen am Nasenring führen, die das „Eigenheim“ aus festem Filz und faltbaren Holzgittern auf klobigen Karren mit teils mannshohen, hölzernen Rädern, über Stock und Stein ziehen. Eigentlich eine idyllische Welt. Doch wir sind im 21. Jahrhundert. Und so ist auch hier die andere Seite des wirtschaftlichen Aufschwungs zu spüren. Nur noch etwa 30 % der Mongolen ziehen als Nomaden durch ihr einstiges Riesenreich. Während die einen Stammesfürsten auf dem Rücken ihrer Pferde durch die Gegend galoppieren, fahren die meisten anderen Clananführer mit ihren knatternden Motorrädern oder ganz zeitgemäß, in allradbetriebenen SUVs umher, um die Gegend auszukundschaften. Bei den Frauen? ..... alles wie gehabt. 

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Jurte – Das transportable Eigenheim 

 

Traditionell würden die Männer auf den Rücken ihrer kleinen, reinrassigen Steppenpferde (Urahn ist das Przewalski-Pferd) wie zu Urzeiten vorausreiten, um neue Weidegründe zu prüfen. Die Pferde sind es gewohnt, die extremen Temperaturen (Sommer +40°C, Winter –40°C) schadlos zu überstehen, was man von den motorgetriebenen Fahruntersätzen nicht immer behaupten kann. Die Frauen würden zu Fuß die Yaks und Ochsen am Nasenring führen, die das „Eigenheim“ aus festem Filz und faltbaren Holzgittern auf klobigen Karren mit teils mannshohen, hölzernen Rädern, über Stock und Stein ziehen. Eigentlich eine idyllische Welt. Doch wir sind im 21. Jahrhundert. Und so ist auch hier die andere Seite des wirtschaftlichen Aufschwungs zu spüren. Nur noch etwa 30 % der Mongolen ziehen als Nomaden durch ihr einstiges Riesenreich. Während die einen Stammesfürsten auf dem Rücken ihrer Pferde durch die Gegend galoppieren, fahren die meisten anderen Clananführer mit ihren knatternden Motorrädern oder ganz zeitgemäß, in allradbetriebenen SUVs umher, um die Gegend auszukundschaften. Bei den Frauen? ..... alles wie gehabt. 

Eingebettet in der Stille der Steppe 

 

Unter der Markenname „Out of NowHere“ gibt es zwei Camps. Das Ursa Major befindet sich in Uvurkhangai Aimak, Khujirt Sum, von Ulaanbaatar etwa 420 km entfernt. Das SWEET GOBI LODGE liegt, circa 270 km von der Hauptstadt entfernt, in Uvurkhangai Aimak, Burd Sum. Ab und zu waren sie während der langen Fahrt zu sehen. „Weiße Champignonköpfe“ inmitten der grüne Steppe. Jetzt entpuppen sie sich bei näherer Betrachtung in unserem „Camp“ als Jurten (s. Erklärung, Seite 140), die für die nächsten Tage unser Zuhause sein werden. Ein „Großstadt-Abenteurer“ würde sie vollmundig und oberflächlich als „Zelt“ betiteln. Großflächig eingezäunt stehen in Reih und Glied 22 dieser „Rundbauten“ am östlichen Ufer des Orkhon Flusses auf einem Hügel mit herrlichem Blick auf das Tal. Sie sind traditionell mit bunt bemalten Möbelstücken eingerichtet und bieten nur Kingsize-Betten oder zwei getrennte Einzelbetten (gut zu Wissen bei Gruppenreisen). Im Gegensatz dazu gibt es andere „Camps“, die Jurten für drei und vier Personen anbieten. Der Boden ist mit Holzbrettern ausgelegt, darauf liegen Filzteppiche. Obligatorisch ist auch hier in der Mitte der Jurten („Ger“) der Heizofen. An einem der senkrecht im Raum stehenden Hauptträger aus Holz hängt lose ein Stromkabel für Licht und Steckdose. Ein kleiner, einfacher Paravent schirmt das kleine Wasserbecken ab. Es reicht für eine Katzenwäsche. Mehr ist nicht drin. Zweimal täglich (oder dreimal auf Anfrage und Bitten) gibt es vier warme Handtücher mit ätherischen Ölen, um sich zu „waschen“.  Der „Hausherr“ sieht das als einen „...üppigen, therapeutischen und ökologischen“ Service für seine Gäste. Es gibt ein Spa mit professioneller Massage, es gibt einen Friseur! In der „Hair Cocoon“-Jurte werden den Gästen die Haare gewaschen und die Kopfhaut wohltuend massiert. Eine junge Mongolin in typischer Landestracht serviert mit einem schüchternen Lächeln heißen Tee. Alles kostenlos – nur das Haareschneiden wird, am besten mit der Landeswährung Tugrik bezahlt.  Umrechnungskurs: 100 Euro = 265.600,00 MNT – so wird man schnell zum Millionär....

Ach ja – die stillen Örtchen sind etwas abseits über das Camp verteilt und voll ökologisch: Der Toilettensitz ist aus Holz. Ein Eimer mit Sägemehl ersetzt die Spülung. So garantieren wir einen trockenen und sauberen Platz ohne Geruch“, wie auf der Webseite nachzulesen ist. 

Zum Frühstück, Mittag-, und Abendessen und zwischendurch ist das Restaurant der zentrale Anlaufpunkt. Viele Gruppen buchen das Camp Out of NowHere,, weil es klein und überschaubar ist. Die Jurten sind schnell ausgebucht und das ganze Camp somit in Gruppenbesitz – zumindest auf Zeit.

Eine Speisekarte gibt es nicht. Das Angebot ist überschaubar und im Buchungspreis mit inbegriffen: Yak-, Rind- und Hammelfleisch, Fisch, Reis, Kartoffeln – und das alles reichlich. Zum Einstieg in die mongolische Esskultur empfehlen sich Boortsog (ein sehr großer Kuchen, perfekt, wenn man einen hektischen Tag vor sich hat) sowie „weiße Speisen“, wie Tarag, ein Kuhmilchjoghurt mit einem leicht sauren Geschmack. Sie dürften auch für einen europäischen Magen verträglich sein. Die Getränke sind teuer – klar müssen sie doch über hunderte von Kilometern heran gekarrt werden. Es empfiehlt sich also die eigene Hausbar mitzuführen: Es gilt „geschüttelt statt gerührt“ und Whisk(e)y pur ohne Eis. 

Wer trotz aller Aktivitäten und „Schütteltouren“ rund um das Camp (s. Folgeseiten) noch nicht die richtige Bettruhe findet, bestaunt hir im Camp den klaren Nachthimmel mit seinen Milliarden Sternen. Ein starkes Teleskop (nur im Ursa Major) mit einem relativ neuen optischen System bietet die Möglichkeit, Sterne ohne Verzerrungen zu beobachten. Die Lage der Sterne und die Ausrichtung des Teleskops sind dank einer integrierten Datenbank und 16 GPS-Kanälen automatisiert.Maximal haben im „Out of NowHere“ 50 Gäste Platz. Das Thema Ökologie wird hier tatkräftig umgesetzt – meistens. Zivilisationskennzeichen, wie zum Beispiel achtlos weggeworfene Plastikflaschen VON GÄSTEN, die eigentlich gekommen sind, um die Natur pur zu genießen, liegen neben dem einzigen halbvollen Papierkorb. In- und um das Camp herum bieten sich vielfältige Touren und Besichtigungen an, siehe Folgeseiten. www.outofnowhere.asia

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Schatzsuche im Orkhon-Tal 

 

In der Zentral-Mongolei liegt das Orkhon-Tal in der Provinz Ar- und Uvurhangai. Es gilt als die Wiege der zentralasiatischen Nomadenzivilisation und ist seit 2004 UNESCO-Weltkulturerbe. 

Es ist reich an zahlreichen archäologischen, historischen und kulturellen Stätten. Sie gelten als Ursprung des mongolischen Volkes. Ausgrabungen dokumentieren die Entwicklung des zentralasiatischen und insbesondere des mongolischen Städtebaus und die wirtschaftliche, kulturelle und religiöse Bedeutung in den vergangenen Jahrhunderten.

Von hier aus eroberten ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. Uiguren und Turkvölker den Rest der damaligen Welt. Etwa um 450 n. Chr. waren es die Hunnen*, die den Römern den „Anfang vom Ende“ ihres Weltreiches bereiteten, indem sie die Goten  („Germanien“) regelrecht überrannten. Ob Attila – der Hunnenkönig - wirklich so hieß – keiner weiß es so recht, denn der Name ist ein germanischer Name und bedeutet eigentlich liebevoll „Väterlichen“. 

Im 13. und 14. Jahrhundert war es Dschingis Khan, der von seinem Stützpunkt Karakorum oder Kharkhorin (beide Schreibweisen sind richtig) aus, zum zweiten Mal den Westen „aufmischte“. Seine Hauptstadt markierte die „Mitte der Welt“ und liegt etwa 380 Kilometer entfernt von Ulaanbaator in westlicher Richtung. Erst unter Ugedei Khan, (auch Ögödei,) dem Sohn und Nachfolger Dschingis Khans, entwickelte sich die Stadt zur ersten Hauptstadt des Mongolenreiches. Der unumschränkte Herrscher gründete Staatskanzleien, „erfand“ eine eigene Schrift und organsierte ein dauerhaftes Staatswesen. Das einstige Reitervolk wurde sesshaft, tolerant(er) und allem Neuen gegenüber aufgeschlossen(er). Sie bauten Klöster und für die Händler und Reisenden auf der weitverzweigten Seidenstraße Moscheen sowie eine nestorianisch-christliche Kirche. Seit dem Jahr 2000 graben Archäologen unter anderem von der Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen des Deutschen Archäologischen Instituts zusammen mit mongolischen Wissenschaftlern im Bereich des vermuteten Khanpalastes und des Handwerkerviertels im ehemaligen Stadtzentrum (Quelle Wikipedia). Münzfunde und viele handwerkliche Gegenstände, wie 

Gold-, Silber-, Kupfer- und sogar Glasarbeiten sind Beweisstücke für den damaligen schon regen internationalen Handelsaustausch. Hier im Umkreis von etwa 200-300 Kilometern sind die Schätze der Mongolei zu finden, die man mit Geld nicht bezahlen kann – wofür man aber erst viel Geld aufbringen muss, um sie zu entdecken und zu entziffern.  Es ist für Wissenschaftler, Archäologen und Geschichtsforscher eine nicht versiegende Quelle, den Geheimnissen und Mythen auf die Spur zu kommen. 

(*Das Wort Hunnen ... diente dazu, Völkern, deren Herkunft man im alten Rom (Römerreich, Goten usw.) nicht kannte, einen Namen zu geben. Es ist also kein Volksstamm). (Lesenswert: http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/attila-und-die-hunnen-das-mysterioese-steppenvolk-a-890968.html)

Der Orkhon (Orchon) Fluss ist der größte und längste Fluss der Mongolei und sehr fischreich. Auf seinem über 1.200 km langen Weg durchschneidet er an manchen Stellen regelrecht den mythologischen und administrativen Kernraum des Landes. Er teilt es ein in „oben“ und „unten“. Hier auch die richtige Fahrspur zu finden, um – je nach Witterung, einen fahr- und begehbaren Übergang von einem Ufer zum anderen zu haben, obliegt dem Guide, dem Fahrer. Am besten man folgt den sichtbaren Fahrspuren eines vorausfahrenden Fahrzeuges. Hoch oben, auf über 2.300 m dominiert, umgeben von Lärchenwäldern, an der Spitze des heiligen Hügels Shireet Ulaan, das Kloster Tovkhon Monastery, das um 1648 erbaut wurde. Zanabazar, der religiöse Führer, kreierte hier das Sojombo-Alphabet, um mongolisch schreiben zu können. Zeichen davon findet man auch in der Staatsflagge der Mongolei. An den Ufern des Orkhon standen im 8. Jahrhundert Paläste und große Handelshäuser der damaligen Hauptstadt Karakorum ebenso wie Tempel, Klöster und das bedeutendste Kloster Erdne Zuu – das erste Zentrum des tibetischen Buddhismus in der Mongolei. Es wurde um 1586 erbaut. 108 heilige Stupas (buddhistische Bauwerke) umgeben das chinesisch und tibetisch inspirierte Gebäude. Ein beliebtes Ausflugsziel – und das bei mehrstündiger Anreise – ist der Orchonwasserfall in Öwörchangai. Je nach Regenzeit stürzen gewaltige Wassermassen über den Rand des Basaltfelsen etwa 25 m hinab in einen kleinen See.