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Im Auge des goldenen Buddha  

 

MYANMAR

Goldene Pagoden und weiße Stupas 

 

Wer nach Myanmar (früher Birma/Burma) reist, will sich nicht verstricken in politische Unzulänglichkeiten, die es überall auf der Welt gibt. Eben gerade wegen seiner Öffnung nach außen ist das Land der 100.000 goldenen Pagoden und weißen Stupas ein außerordentlich beliebtes Reiseziel für Asienfreunde. Ausgestattet mit einem staatlichen „Guide Certificate” ist es den Guides nun offiziell erlaubt, Touristen Stadtführungen und Überlandausflüge anzubieten. Willkommen in Myanmar.

Yangon

Die Stadt, mit mehr als fünf Millionen Einwohnern, gilt und ist das religiöse und kulturelle Zentrum von Myanmar. Nahezu jeder Reisende beginnt oder beendet seine Rundreise in der heimlichen Hauptstadt* – und das mit Recht! Denn in Yangon gibt es allerhand zu erkunden. Jetzt noch. Denn mit der Öffnung und den damit verbundenen Touristenströmen ändern sich Land und Leute, Städte und einst verschlafene Ortschaften. Es bleibt (wahrscheinlich) nicht mehr viel Zeit, den derzeitigen Mix aus birmanischen, chinesischen, indischen und britischen Elementen und Bewohnern so zu erleben, wie es in früheren Jahrhunderten und bis vor wenigen Jahren existierte. Im Gegensatz zu vielen anderen asiatischen Städten (auch in Myanmar, Bagan oder Mandalay) gibt es auf den Straßen von Yangon seit dem offiziellen Verbot aus dem Jahre 2009, so gut wie keine Motorräder oder Mopeds mehr. Trotzdem ist die Stadt voll mit dem Gestank von Autos und Bussen, die ohne Katalysatoren die Luft schwängern. 

Das Monsunklima im Raum Yangon sorgt für verschiedene Wetterunterschiede. Die wärmsten Monate sind „normalerweise“ März und April, bei Höchstwerten um die 40°C. 

Kühler ist es im Dezember und Januar, bei etwas unter 30°C. Neben den zahlreichen und geschichtsträchtigen Pagoden haben auch andere Religionen ihre Daseinsberechtigung, wie zum Beispiel die Immanuel Baptist Church, die 1885 von einem Amerikaner gegründet wurde.  

 

Stadtbummel 

Ein MUSS ist der Besuch des Bogyoke Aung San Marktes, der auch noch unter dem Namen „Scott Market“ bekannt ist. Hier kaufen die „bessere“ Mittelschicht der Stadt und die Touristen ein. Es gibt ALLES: burmesische Kunst- und Handwerksarbeiten, wie Lackarbeiten, Schnitzereien aus Holz und Elfenbein, Gold-, Silberschmiedearbeiten, schöne Stoffe, Seide, Taschen und Schmuck bis hin zu wertvollen Edelsteinen, Smaragden und die außergewöhnlichen und wunderschönen hellroten Rubine. „Taubenblut von Birma“, für die das Land so berühmt ist. In der großen staunenden und kaufenden Menschenmenge laufen die Mönche umher, die sich ihre tägliche Mahlzeit „zusammenbetteln“. 

Bei einem Spaziergang über den Morgenmarkt in der 26ten Straße kann man sich von der Vielfalt der Produkte überzeugen, die sich in Myanmar wiederfindet. Chilis in allen Variationen, frisch oder getrocknet, Bananenstamm (Gemüse) für die Mohinga (traditionelle Nudelsuppe), Bohnen und Kichererbsen, leuchtend gelben Kurkuma und die tiefroten Paprika. Es riecht nach Schmalzgebackenem und Knoblauch. Außerdem sehr beliebt ist der „Thein Gyi Zei“ Markt in der großen Ordinationshalle, der „Chinesische Markt“. Oder ein Bummel durch das indische Viertel, das mit seinen teils maroden Häusern, den heruntergekommenen Kolonialbauten im krassen Kontrast zu den gläsernen Hochhäusern genau das heutige Indien bestens charakterisiert. 

Allgegenwärtig sieht man unscheinbare Stände auf den Bürgersteigen, an denen Stapel von handtellergroßen grünen Blättern ausliegen. Hier darf man es offiziell kaufen: „Das Glück des kleinen Mannes“. Es sind Betelpfefferblätter, gefüllt mit einer Paste aus gelöschtem Kalk, Kräutern und auch Tabak, die eingewickelt, dann wie ein Kaugummi, in den Mund geschoben werden. Das, was als „Munderfrischer*“ verkauft wird, hat eine leicht stimulierende, euphorisierende und betäubende Wirkung – ist also nichts anderes als eine Droge und erhöht das Krebsrisiko. Durch das Kauen regt es den Speichelfluss an, während Betel gleichzeitig den Speichel rot färbt. Langanhaltender Konsum färbt die Zähne schwarz. 8 bis 10 g Betelsamen auf einmal konsumiert, kann tödlich sein.Auf den Märkten gibt es fast alles, was man sich vorstellen kann. Man muss aber handeln, sonst macht es (auch) den Händlern keinen Spaß.

Am Hafen Ayeyarwady liegen die Schiffe. Hier sind einst unter anderem die Engländer angekommen und haben das Land „erobert“. Vom Norden aus, dem Landesinneren, kommen wie seit Generationen die Teakholzschiffe zum Be- und Entladen. Fähren schippern pausenlos ans andere Ufer und spucken die Menschenmassen aus. Es herrscht reger Betrieb. Im Stadtteil Dhala gegenüber ist es wesentlich billiger und geruhsamer. Also wird Tag für Tag zwischen Wohnung, Arbeitsplatz und den größeren Einkaufsmöglichkeiten hin und her gependelt.

Shwedagon-Pagode

Zu den wohl prägendsten Eindrücken und symbolträchtig für das ganze Land ist die Shwedagon-Pagode, die sich seit über 2.500 Jahren in den Himmel streckt. Sie überragt auf prachtvolle Art und Weise die ganze Stadt und gilt als wichtigster Sakralbau des Landes sowie als eine der berühmtesten Stupas der Welt. Die etwa 100 m hohe Pagode wurde im Laufe der Jahrhunderte kontinuierlich mit Gold und Edelsteinen verziert und mit Glocken behängt, bis sie zu ihrer heutigen Pracht, Bedeutung und Ausdrucksstärke (auch im Zusammenhang mit der Freiheitsbewegung) gelangte. Der Rundgang um die Pagoden beginnt IMMER von rechts. Neben der beeindruckenden großen Stupa und den vielen kleinen Stupas und Buddhas ist ein schöner Jade Buddha in einem Glaskasten zu sehen.

 

Sule-Pagode

Auch nicht zu übersehen ist die 46 m hohe Sule-Pagode, die sich inmitten der Innenstadt von Yangon in glanzvoller Pracht präsentiert. Das Gebäude wurde Legenden zufolge vor mehr als 2.000 Jahren die Heimstätte für ein „Haar von Buddha“, welches sich auch heute noch dort befinden soll. Die Galerien der Pagode strahlen auf sanfte Art und Weise eine besinnliche Ruhe aus und dienen somit als willkommene Oase der Stille und Gegenstück zum chaotischen Verkehr auf Yangons Straßen und Gassen.

 

National Races Village

Kein Disneyland, sondern Tradition bewahren: Im Ostteil von Yangon, etwa zehn Kilometer vom Zentrum, neben der Brücke nach Thanlyin, befindet sich ein Ort, an dem die Besucher etwas mehr über die einzelnen Volksstämme von Myanmar erfahren können. Innerhalb eines weitläufigen Geländes befinden sich komplette Häuser und Gegenstände des täglichen Bedarfs, die die Eigenheiten bestimmter Stämme des Landes widerspiegeln. Darunter die Volksgruppen Kachin, Kayah, Kayin, Chin, Bamar, Mon, Rakhine und Shan. Im großzügig angelegten Gelände wurden zur Veranschaulichung Türme, Pagoden, Pavillons und ganze Dörfer im authentischen Stil des jeweiligen Stammes nach- bzw. wiederaufgebaut. 

 

Kyauk Htat Gyi Pagode   

Das ist ein Pflichtbesuch in Yangon. Der liegende Buddha mit einer Länge von 66 m gehört zu den größten in Myanmar. Er wurde 1899 von einem reichen Burmesen gestiftet. Gigantisch sind seine beiden Glasaugen mit je 177 x 58 cm. Die 108 Felder an seinen Fußsohlen beschreiben die Kennzeichen eines Buddhas.

 

Bagan

Shwesandaw Pagode

Schon aus der Ferne leuchten die Tempelanlagen von Bagan, der historischen Hauptstadt des einstigen Königreichs (1044 bis 1287). Eine Ballonfahrt – dabei lautlos über unzählige Pagoden und Stupas hinwegzugleiten – ist zweifelsohne das absolute Highlight einer 

Myanmar-Tour. Unübersehbar ist die Shwesandaw Pagode aus dem 11. Jahrhundert. Wer die oft einen halben Meter hohen steilen Stufen erklimmt, wird mit einem herrlichen 360 Grad Rundblick über 40 m2 mit bis zu 3.000 historischen Monumenten aus Ziegelstein (kaum einer hat sie gezählt) belohnt. Über der obersten fünften Terrasse erhebt sich die Spitze, die auf zwei achteckigen Füßen steht.

 

Shwezigon Pagode

In der Ferne leuchtet, unvergesslich, erhaben und atemberaubend die goldene Kuppel des Ananda Tempels in der Abendsonne. Für viele ist es der schönste Tempel in und um Bagan, ein Meisterwerk des Königs im 11. Jahrhundert und eine Glanzleistung früher Tempelarchitektur. Der Grundriss stellt ein perfektes griechisches Kreuz dar mit vier riesigen, stehenden Buddha Statuen, die in vier verschiedene Richtungen gewandt sind. Achtzig Reliefs zeigen die frühen Abschnitte im Leben Buddhas von der Geburt bis zu seiner Erleuchtung. Die Shwezigon Pagode aus dem Jahr 1059 hingegen wird als die „goldenste” Pagode Bagans genannt. 

Hier ist es auch zu finden: das Goldene Auge (siehe Seite 163) des Buddhas. Wer geschickt sein Handy/Fotoapparat in eine kleine, im Felsgestein ausgewaschene und mit Wasser gefüllte Mulde hält, erblickt durch die etwa handtellergroße Spiegelung das Gegenü̈ber, die riesige Kuppel der Shwezigon Pagode. 

 

Thetbyinnyu Tempel 

Mit 61 m Höhe ist diese Pagode ein klassisches Beispiel für die Architektur der mittleren Bagan-Epoche. Der im 12. Jahrhundert durch König Alaungsithu erbaute Tempel wird auch der „allwissende Tempel“ genannt. Die Pagode verfügt über zwei Stockwerke, wobei auf dem zweiten eine Statue des sitzenden Buddhas zu finden ist.

 

Seinnyet Nyima Pagode

Rund um die Stadt war nichts. Karge Böden, ein bisschen Landwirtschaft, der tägliche Markt vor den Stadttoren hatte kaum etwas anzubieten. Das änderte sich ab 2009. Da wurde die Gegend für den Tourismus geöffnet. Heute lebt die Bevölkerung nur durch die Touristen aus aller Welt. Die Ballonflüge wurden erstmals vor zwei Jahren von zwei Unternehmen angeboten. Kosten ab 300 US Dollar. Etwas außerhalb der Stadt, aber gut erreichbar, ist die Seinnyet Nyima Pagode aus dem 12. Jahrhundert, daneben, der „Seinnyet Ama-Tempel. Im Inneren überraschen Darstellungen von Löwen, Pfauen und kleinere Vogelarten sowie mystische Kreaturen wie Drachen und „Ogress“, in der Legende ein weibliches Monster, eine Menschenfresserin. 

Auch andere Pagoden, Stupas und Tempelanlagen haben ihren Reiz. Besonders eindrucksvoll ist der Dhammayangyi Tempel, der wegen seiner gewaltigen Dimensionen als der „Koloss von Bagan“ bezeichnet wird. Oder, der nur acht Meter hohe Nanphaya-Tempel mit seinen sehr schönen Reliefs und feinsten detaillierten Skulpturen. Die Bauweise wird dem indischen Stil zugesprochen. Angeblich soll es einst als Gefängnis verwendet worden sein.

Oder der eleganteste von allen, der Sulamani Tempel, der im Inneren mit schönen Wandmalereien aufwartet. In der Übersetzung bedeutet das „kleiner Rubin“ oder „krönendes Juwel“. Er wurde in der Zeit um 1170 -1300 von den Narapatisithu erbaut. 

 

Mount Popa 

Neben der Straße in Richtung Berge zum Mount Popa, vorbei an der Shwezigon Pagode, lohnt sich der Stopp bei einem Palmenbesitzer. Geschickt erklimmt er eine der hohen Palmyra-Palmen, kappt einige Früchte, die dann in vorsintflutlichen Destillerie-Gerätschaften zu bekömmlichen Schnäpsen und einer Biersorte „der besonderen Art“ gebrannt bzw. gebraut werden. Aus dem gewonnenen Palmensaft werden auch Seifen, Kosmetika und Massageöl hergestellt.  

Den vulkanischen Mount Popa erreicht man nach etwa 60 Kilometern von Bagan aus, im Zentrum des Landes. Der steil aufragende Hügel ist circa 750 m hoch. Exakt 777 steile Stufen führen nach oben ins Kloster. Er gilt als spirituelles Herz von Myanmar und zählt zu den heiligsten Orten des Landes. Zugleich ist er als Zentrum der Geisterverehrung (Nats) berühmt. In einem Schrein am Fuße des Berges sollen 37 dieser Schutzgeister beheimatet sein. Den besten Blick auf das Kloster hat man „gegenüber“ der stilvoll eingerichteten 

Villen mit großem Außenpool im Hotel Popa Mountain Resort. 

 

Oder, oder, oder ......

Myanmar hat jedoch weit mehr zu bieten als nur Pagoden, Stupas und Tempelbesichtigungen. Wer Land und Leute nur ein wenig kennen und schätzen lernen möchte, dem empfiehlt sich generell der Blick links und rechts der Straßen. Wie die Papierfertigung, die Marmorstraße, die Webereien, die unter anderem Lotusfäden verarbeiten. Hier gewinnt man Einblicke in das reale Leben der Einheimischen und staunt über ihr Geschick, ihre handwerklichen Fähigkeiten, ihre Neugierde und ihre Bereitschaft, Neues an- und aufzunehmen. Wer hier in Bagan gesehen hat, wie aus Bambus, Rosshaar, Lack und Blattgold kleine Kunstwerke in Form von Dosen, Schalen, Tabletts usw. in allen Formen, Farben und Größen entstehen, schüttelt ungläubig den Kopf über die geringe Entlohnung für das, was man in Shops dafür bezahlt. Es wird der Leistung nicht gerecht! Wer direkt vor Ort authentische Geschenke einkauft, verhilft den Einheimischen zu einem einigermaßen gesicherten Einkommen. Wer nur annähernd versucht, in die Sitten und Gebräuche des Landes einzutauchen, verbindet gutes Essen mit Kulturgut. Nach einem üppigen Abendessen werden in einigen Restaurants, zum Beispiel im Nanda Restaurant in Bagan, Marionetten auf der Bühne für ein, zwei Stunden „lebendig“ und vollführen mit der typischen Musik von Myanmar akrobatische Tänze und erzählen damit die Geschichte aus tausenden von Jahren. Das Marionettenspiel hat in Myanmar 

einen besonders hohen Stellenwert.

 

Mandalay

In der Mitte angekommen: politisch, kulturell und landschaftlich. Mandalay ist mit knapp 1,6 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Myanmar.  Keine Wolkenkratzer strecken sich in den Himmel wie in anderen aufstrebenden asiatischen Großstädten. Viele Straßen sind nicht geteert. Der breite Strom des Ayeyarwaddyflusses ist die Lebensader von Myanmar und Handelsweg, Wäscherei und Büffelbadestelle von Mandalay. Am Ufer drängen sich Bambushütten windschief und immer bedroht von den Fluten, besonders jetzt im Mai, wo bereits schwere Wolken die nahende Regenzeit ankündigen. Hausboote und flache Kähne gleiten an Frauen mit bunten Turbanen vorbei, die auf Bambusflößen sitzen und ihre Wäsche ins gelbbraune Wasser tauchen. Der Fluss begrenzt das Zentrum der Millionenstadt im Westen, im Norden erhebt sich Mandalay Hill, ein 236 Meter hoher Hügel, der der Stadt ihren Namen gab.

Früher, ja früher war die „Goldene Stadt“ für kurze Zeit die Hauptstadt des birmesischen Königreichs. Vom Zauber Mandalays, wie er in alten Reiseberichten beschworen wird, ist nach dem II. Weltkrieg zwischen Briten und Japanern nicht viel übriggeblieben. Tausende Pagoden und Klöster, selbst der Königspalast Mandalay Fort wurden, bis auf klägliche Reste der Außenmauer, zerstört. Einiges wurde jedoch in den letzten Jahren wiederaufgebaut. Statt Teakholzhäuser säumen jetzt Betonbauten die Straßen.

Geblieben ist der „Goldrausch“. Der Bedarf der Einheimischen nach Gold ist gigantisch. Mandalay gilt als Stadt des Handwerks. Jede Zunft hat ihr Viertel. Zig Familien haben sich, über die Jahrhunderte hinweg, darauf spezialisiert und fertigen Blattgold. Das Gold, gewaschen aus den Fluten des Ayeyarwaddys, wird in Rehleder gewickelt und sorgfältig zwischen Bambus- und Reisstrohpapier geschichtet. In alter Tradition schlagen abwechselnd Kinder und kräftige junge Männer, bekleidet mit einem Longhyi (Winkelrock), in den Händen einen schweren Steinhammer, auf die kleinen Lederpäckchen. Moderne Hilfsmittel oder gar Maschinen sind verpönt und entsprechen nicht dem buddhistischen Glauben. Außerdem ist Menschenarbeit billiger und bringt Beschäftigung für das arme Land. Insgesamt neun Stunden (!) hämmern sie so auf ein 25 Gramm schweres 24-karätiges Gold ein, bis die Blättchen so dünn sind, dass sie in der Luft schweben könnten. Statt einer Armband- oder Wanduhr dreht sich in einer Blechschüssel mit Wasser eine langsam sinkende Kokosnusshälfte und teilt so die Zeit in 15-Minuten-Abschnitte ein. Dann wechseln sich die Männer ab. Der letzten Schicht ist es gegönnt, sich mit einem Betelnuss-Paket in der Wange von der Schwerstarbeit zu erholen und sich dem „göttlichen“ Karma hinzugeben. Mit diesem hauchzarten Blattgold sind die unzähligen Pagoden, Stupas und Buddha-Statuen, die das Land übersäen, beklebt. Die buddhistischen Gläubigen – immerhin 90 Prozent der Burmesen – hoffen so, ihr Karma, ihr Lebenskonto der guten Taten damit aufbessern zu können, auch wenn sich viele gerade mal die tägliche Reisportion leisten können.

Ein paar Straßenzüge weiter meißeln Männer Buddha Statuen aus Marmor, wahlweise breit grinsend für den Export nach China oder milde lächelnd für den heimischen Markt. 

Ein paar Meter weiter zerschlagen und polieren junge Männer grüne Jade-Steinbrocken. Andere schnitzen vollkommen in ihre Arbeit versunken an einer Elefanten-Pyramide aus Teakholz. Mit einfachsten Werkzeugen dauert die Herstellung Wochen bis Monate. Zeit – das ist das, was alle im Überfluss haben. Weitere Straßen säumen Bronzegießer, Holzschnitzer, Marionettenhersteller, Seidenweber, Mädchen und Frauen, die mit ihrem beigefarbenen Thanaka-Sonnenschutz im Gesicht (aus der Rinde  gemahlene feine Paste) „lustig und exotisch“ aussehen und gebeugt über quadratmetergroße Stickereien aus goldenen Fäden sitzen. Alles ist handmade. Allen darf man über die Schulter sehen und ihr Kunsthandwerk bewundern. 

 

Mahamuni Pagode

Neben dem „Goldenen Felsen“ und der Shwedagon Pagode zählt die Mahamuni Pagode zu den Hauptpilgerzielen in Myanmar. Sie ist das religiöse Zentrum der Stadt. Hunderte von Glöckchen hängen an ihrer goldenen Dachspitze. Die Besucher ziehen Schuhe und Strümpfe am Eingang der Pagode aus (gilt für alle religiösen Bauten) und nähern sich barfüßig auf Marmorfliesen der riesigen, vier Meter hohen, im Lotussitz (auch Padmasana oder Vajirasana) sitzenden Buddha Statue, die als Abbild des Buddha verehrt wird. Der Legende nach wurde sie im 1. Jahrhundert gegossen und ist die mit Abstand meistverehrte Figur des Landes. Eine bis zu 15 Zentimeter dicke Goldschicht wurde über die Jahrhunderte aufgetragen und ist nun bis zu Unkenntlichkeit beklebt. Nur Männer dürfen sich ihr nähern und sie berühren.

 

Kuthodaw Pagode

Bevor es ab 18 Uhr dunkel wird in Mandalay, tauchen exakt 729 weiß getünchte, in ordentlichen Reihen angeordnete kleine Stupas (pavillonartige Tempel) ihre vergoldeten zierlichen Spitzen glänzend in den tiefblauen Himmel. In ihrer Mitte, die zentrale Stupa, die erst etwa über 200 Jahre alte Kuthodaw Pagode, die auch als „größtes Buch der Welt“ bezeichnet wird. In den umliegend kleineren Schreinen befinden sich Marmortafeln, auf denen die vollständigen buddhistischen Tipitaka (Palikanon – die älteste zusammenhängende und überlieferte Sammlung von Lehrreden des Buddha Siddhartha Gautama) geschrieben sind. An der Erstellung der Marmorinschriften waren (1860-1868) mehr als 200 Steinmetze beteiligt. 2.400 Mönche, die König Mindon anlässlich des Buddhistischen Weltkongresses im Jahr 1871 damit beauftragte, die Inschriften zu lesen, waren damit mehr als sechs Monate beschäftigt. 

Shwenandaw Kyaung

Nicht weit entfernt befindet sich das einzige Überbleibsel des ansonsten abgebrannten Königspalastes, das Kloster Shwenandaw Kyaung. In dem treppenförmigen, einst vergoldeten Teakholzbau starb 1878 der vorletzte, aber auch heute noch beliebte König Mindon. Es ist das einzige, heute noch erhaltene, originale Gebäude des königlichen Palastes von Madalay. Der wunderschöne Holzbau gehörte ursprünglich zu den Privatgemächern König Mindons. Sein Sohn Thibaw ließ die Anlage im Jahr 1880 

abbauen und außerhalb der Palastmauern wiedererrichten. So entging es dem 

Feuersturm im Jahr 1945. Berühmt ist das Kloster wegen seiner unzähligen Holzschnitzereien. Es gibt kaum ein paar Quadratzentimeter, die nicht mit Blumenornamenten oder Figuren verziert sind. Früher war das Shwenandaw-Kloster innen und außen mit Gold bedeckt. Durch die vielen Jahrzehnte und bedingt durch Witterungseinflüsse, ist heute nur noch vereinzelt die Vergoldung sichtbar.

 

Mandalay Hill

Ein besonderes Highlight ist das hoch am Berg liegende Mandalay Hill, verbunden mit unvergesslichen Sonnenuntergängen. Wer „Buße tun will“, steigt die 1.729 Stufen empor, schneller geht es mit dem Lift. Oben angekommen genießt man einen überwältigenden Blick über die Stadt, dem Golfplatz und wartet, bis die rot-goldene Sonne am Horizont der Shan-Berge untergeht.  

 

Mingun 

Das kleine Dörfchen ist ein buddhistisches Heiligtum nördlich von Mandalay. Man erreicht es mit d, die den Ayeyarwaddy stromaufwärts fahren. Am Ufer von Mandalay liegen vertäut die Frachtkähne, denn der Fluss ist eine Lebensader für die verstreuten Dörfer im Landes­inneren von Myanmar. Alles wird von Hand be- und entladen. Keine Kräne, keine Hilfsmittel unterstützen die schwere Handarbeit der Menschen, die in ihren provisorischen Unterkünften aus Bambusgerüsten, Plastikplanen und einer 

Feuerstelle hier leben. Für sie ist der Fluss Arbeitsplatz und Heim. Nach etwa einer Stunde Fahrt ist von weitem ein „Ziegelhaufen“ zu sehen, der sich bei näherer 

Betrachtung als Mingun-Padagode (auch Mantara Gyi-Pagode genannt) offenbart, die weltweit ihresgleichen sucht. 152 m sollte sie einst hoch werden. (Anmerkung der Redaktion: die danebenstehende nur 5 m hohe Pondaw Pagode veranschaulicht als „Arbeitsmodell“, wie die Pagode hätte einst aussehen sollen). Ein Erdbeben 1838 zerstörte das unvollendete Bauwerk und hinterließ so den wohl größten Ziegelhaufen der Welt. Über hunderte von Stufen hinauf kann man das Innere der Pagode besichtigen, bzw. einen Blick auf die entfernte Hsinbyume Pagode werfen, die König Bagydaw in strahlendem Weiß 1816 für seine Frau erbauen ließ. Immer nach der Regenzeit werden die Wände neu weiß gestrichen bzw. ausgebessert.   

Die Pagode symbolisiert den mythischen Berg Meru, das Zentrum der Welt. Sieben mit Wellen geschmückte Terrassen stellen die sieben Meere dar, von denen nach buddhistischer Vorstellung der Berg Meru umgeben ist. Nats, Dämonen, Monster und Nagas sind zur Bewachung in Nischen auf den einzelnen Ebenen des Bauwerks aufgestellt. Über die sieben Terrassen führen Treppen hinauf zu einem Plateau mit dem zentralen Stupa, der den Sulamani-Palast, den Sitz des Himmelsgottes Indra, darstellt. Weitere steile Treppen leiten zu einem Gang, von dem aus man die Cella mit der Buddha Statue betritt. Bis dahin hat man zwölf gestaffelte Tore mit reich geschmückten Giebeln durchquert, sieben beim Aufstieg über die Terrassen und fünf weitere beim Aufstieg zur Cella. Auf dem Weg zurück zum Fluss mit einem „Taxi“, sprich Ochsenkarren auf Holz­rädern, ist die zweitgrößte intakte Glocke der Welt „Mingun-Glocke” zu bestaunen. 3,70 m hoch, etwa 90 Tonnen schwer, Durchmesser 5 m. https://de.wikipedia.org/wiki/ Mingun-Glocke

 

AVA 

Mit einem Boot erreicht man über den Mjitnge-Fluss, dem Nebenfluß des Ayeyarwaddy, die kleine Insel, auf der die alte und einst historische Königsstadt Ava, heute Inwa, liegt. Sie ist etwa sechs Kilometer südwestlich von Amarapura und 20 Kilometer von Mandalay entfernt. Für den alltäglichen Fährverkehr zwischen Festland und der künstlich aufgeschütteten Insel tut es eine alte Fähre, die auf Zuruf in fünf bis zehn Minuten alles transportiert: Menschen und Maschinen, Mopeds, Kühe und vieles mehr.

Der eigentliche Reiz Inwas liegt in der verschlafen wirkenden ländlichen Umgebung mit kleinen Dörfern, Bananenplantagen, Reis- und Kohlfeldern, an denen man mit gemieteten, einachsigen Pferdekutschen auf großen Holzrädern vorbeifährt. Durch eine Allee von Eukalyptusbäumen, vorbei an Reisfeldern, vorbei an riesigen Bäumen, an denen teils große Nester hängen. Es sind die Webervögel, die hier ihre fein verwebten Nester gebaut haben, die an überdimensionierte braune Weihnachtskugeln erinnern. So erreicht man in langsamer Gangart der knöchrigen Pferde auf holprigen Straßen das Bagaya-Kloster. Es wurde 1834 unter König Bagyidaw (reg. 1819–1837) auf einer Fläche von 57 x 30 Metern vollständig aus Teakholz erbaut und stützt sich auf über 260 Teakholzpfeiler. Der längste Pfeiler ist 18 Meter hoch und hat einen Umfang von knapp drei Metern. Absolut sehenswert sind die kunstvollen Schnitzereien an Türen, Fenstern und Geländern. Bemerkenswert ist, dass unter den tausenden geschnitzten Motiven auch Engel mit Flügeln zu finden sind. Das zum Thema Religionsgemeinschaften. Hier ist auch eine Schule für die Kinder aus der Umgebung eingerichtet, wo sie als „Mönchskinder auf Zeit“ lesen und schreiben beigebracht wird. 

 

Heho Pindaya 

Auf engen und gut ausgebauten Straßen fährt man etwa 90 Minuten von Heho nach Pindaya, der Spinnenstadt. Ab und zu muss ein Stopp eingelegt werden, wenn weiße Buckelrinder, Hunde und gefiederte Tiere die Straße queren oder neugierig schauend stehen bleiben. Interessant zu sehen, wie mit uralt und exotisch anmutenden Gerätschaften die kupferrot gefärbten Böden bearbeitet werden. Für die Bauern ist es Schwerstarbeit mit dem 1-Zylindertraktor, den man hier spöttisch „chinesisches Pferd“ nennt, den fruchtbaren Boden zu beackern. Die Frauen, wenn sie nicht gerade Opfergaben spenden, waschen im Kollektiv ihre Kleider direkt im braunen Wasser des Sees, während ein paar Meter weiter Kühe grasen, verdauen und Kinder nebenan nackt  herum tollen und ihre Kindlichkeit in vollen Zügen genießen. In der hügeligen Umgebung liegen Tee- und Kaffeeplantagen, Felder mit Mais, Knoblauch, Zwiebeln, Zuckerrohr, Erdnüssen, Reis und vielem mehr. Ab und zu trifft man Intha’s an, Einheimische, die in (für uns) idyllischen Bergdörfern leben, Frauen die auf ihren Rücken schwere Säcke mit Lebensmitteln zum nächstgelegenen Markt schleppen. 

Pindaya ist bekannt für seine Shwe U Min Pagode mit einem Höhlensystem, dass in Hügeln hineingearbeitet wurde. Es gibt eine Zufahrt zu den Kalksteinhöhlen oder man steigt über einige hunderte Stufen die überdachte Treppe vom See aus hinauf. Das letzte Stück geht  man zu Fuß oder nutzt den Fahrstuhl, der vor einiger Zeit von Spendengeldern gebaut wurde. Den Eingang „schmückt“ eine riesige Spinne, die der Legende nach, der Stadt ihren Namen gab: pingu-ya. In den Höhlen reihen sich über 8.000 Buddha Statuen aus Alabaster, Teak, Marmor, Stein, Lack und Zement in allen Größen an-, neben- und übereinander. Viele sind mit Blattgold verziert.

Das friedvolle Städtchen ist Ausgangspunkt für anspruchsvolle Trekkingtouren in die weit entlegenen Bergdörfer der Palaung-, Taungyo-, Pa-Oo- und Danu-Volksstämme. Pindaya wird hauptsächlich von dem Volksstamm der Danu bevölkert, während in den Dörfern um die Stadt größtenteils Pa-Oo’s beheimatet sind. Einen Besuch wert ist ein Familienhandwerksbetrieb, der sich seit Generationen auf die Herstellung von Papier spezialisiert hat. Der Maulbeerbaum liefert die Fasern für Sonnenschirme, Fächer, Geschenktüten und vieles mehr. Es ist einfach fantastisch mit anzusehen, wie aus Bambus das Gestänge, die Halterungen zugeschnitten werden. Wer etwas Zeit mitbringt, kann sich seinen persönlich und individuell beschrifteten Papier-Sonnenschirm mitnehmen. Alles ist handmade, alles ist aus der Natur gewonnen. 

Amarapura

Sie ist in jeder Kunst-Bildergalerie, in jedem noch so kleinen Souvenir Shop zu sehen. Die mit 1.200 m längste und älteste (1850) Teakholzbrücke der Welt, die U Bein Brücke in der ehemaligen Königshauptstadt Amarapura (Stadt der Unsterblichkeit) überspannt einen Teil des Taungthaman Sees und steht in der ganzen Welt als DAS Synonym für Myanmar. Mit diesem Bild im Herzen ist es ein MUSS, diese kleine Stadt mit nur circa 25.000 Einwohnern anzusteuern, die eine der schnell wachsenden Vororte der elf Kilometer entfernten City Mandalay ist. Für Gläubige und staunende Touristen ist nicht ihre Länge das Besondere, sondern die Atmosphäre, die diese Brücke, besonders in den Abendstunden umgibt. Auf beiden Seiten des Sees, welche die Brücke miteinander verbindet, laden Restaurants zum Verweilen ein. Über die Planken spazieren Einheimische, zahlreiche Nonnen, Mönche und Touristen. Es ist schwer, ein Foto ohne Menschen oder nur mit Mönchen von dieser einmaligen Teakholzbrücke zu schießen. Hauptreisezeit ist hier Juli und August, wenn der Pegel des Sees um fast 28 m ansteigt und oftmals über die ausgetretenen Holzplanken schwappt. Sonst spiegelt sich die ganze Brücke im Wasser wider, wie ein Scherenschnitt. Der Himmel wechselt währenddessen von gelb über orange bis ins tiefe Rot. Im gemieteten Boot sitzend, genießt man die magische Stimmung, die die Holzbrücke ausstrahlt. Jetzt heißt es inne zu halten. Diejenigen, die es im Leben nicht so gut getroffen haben, betteln links und rechts der Brücke um ein Stück Wohlstand der Anderen. 

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*Königssitz im Reisfeld

Fälschlicherweise wird Yangon (die Engländer nannten die Stadt Rangun) als Hauptstadt von Myanmar genannt. Dabei ist das auf dem Reisbrett als Satellitenstadt konzipierte und erbaute Naypyidaw, etwa 320 Kilometer nördlich von Rangun gelegen, seit 2006 die eigentliche Hauptstadt. Salopp wird sie wegen ihrer „Opulenz“ als „Königssitz im Reisfeld“ betitelt. Die überwiegend leeren und bis zu 12spurigen Straßen erinnern eher an Landepisten für Flugzeuge, unterbrochen nur von mit Lotosblumenskulpturen geschmückten Verkehrsinseln, um die sich so gut wie kaum ein Auto, ein Bus bewegt. www.taz.de/!5011164/