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JENSEITS

IN AFRIKA

Ich habe es gesehen und erleben dürfen: den ewigen Kreislauf der Natur: jagen, fressen, sch...(koten), fortpflanzen, gebären. Und alles beginnt wieder von vorne. Seit Jahrtausenden, Jahrmillionen...

TEXT: FRANK GINDLER | FOTO: FRANK GINDLER, SABI RESORT

Mit rasantem Tempo hat sich der O.R. Tambo Intern. Airport in Johannesburg innerhalb der letzten Jahre zu einem internationalen Drehkreuz entwickelt. Und so ist das kunterbunte Durch­einander von Menschen aller Haut­farben und  Rassen, farbenfrohen wallenden Gewändern und im krassen Gegensatz dazu die Schar der Frauen in ihren schwarzen Dschilbabs unüber­schaubar. Von hier aus fliegt man mit einer kleineren Maschine SA Airlink etwa 45 Minuten in Richtung Norden und landet auf dem Skukuza Airport im Krüger National Park. Etwa 12-15 Safari-Jeeps stehen parat, um die ankom­menden Gäste auf die umliegenden Lodges im 1898 gegründeten Park zu verteilen. Etwas abseits wartet Lazarus auf uns. Er will uns sein Territorium – außerhalb des Krüger Nationalparks – zeigen: willkommen im „SABI Sands“. Und schon beginnt die Grübelei darüber, warum und wieso im Verhältnis von mindestens 12:1 so viele Menschen in den staatlichen Krüger Nationalpark reisen und ich und meine wenigen Mitreisenden in einem Jeep Platz finden. Unser aller einziges Ziel ist es, die „Big Five“ in freier Wildbahn zu sehen. Und das war’s dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Im weltbekannten Krüger Nationalpark sind es über­wiegend Tagestouristen, Bustouren oder „Möchtegern-Ranger“, die auf eigene Faust als Selbstfahrer durch den Park kurven. Jeder definiert so das Thema „Safari“ aus seiner eigenen Sicht, stets abgesichert, kontrolliert im großen Freigehege und mit der Vorgabe: „Ich habe bezahlt, also will ich auch alles sehen“.

Ganz anders das Konzept von SABI Sands, wo es nur wenige Unterkünfte gibt wie die vier, von einem Eigentümer geführten Lodges des Sabi Sabi Private Game Reserves. Es ist die Heimat der hier frei lebenden afrikanischen Tierwelt und das seit Jahrtausenden. Die Guides wie unser Lazarus im SABI Sand sind ein Teil dieser Welt, hochmotiviert, fach- und sach­kundig und hier aufgewachsen. Nur sie dürfen die schotterigen und ungeteerten Straßen verlassen und querfeldein über Stock und Stein fahren, um uns „Weißen“ das reale Tierleben zu zeigen. Ihr Tun und Handeln respektiert die „Privatsphäre“ ihrer Bewohner, ohne ihnen zu nahe zu treten. Der Dank der Tiere an uns, den Menschen?  

Sie gewähren uns ein (fast) uneinge­schränktes Miterleben: Lieben – Töten = Überleben. 

Es ist meine erste Safari überhaupt. Die Neugier darauf ist groß, denn unzählige, faszinierende Tier-TV-Dokus haben die Latte dessen, was man (ich) zu sehen bekommen will, sehr, sehr hoch gehängt. Klar, ich könnte auch in bekannte Tiergärten reisen, um den „Big Five“ zu begegnen, in Hamburg, Leipzig (übrigens einer der arten­reichsten in ganz Europa), Hannover u.a. Kompakt, übersichtlich stellen sich die Tiere uns zur Schau und sind doch alle so niedlich anzuschauen. Doch ist das Safari? Oder wie im Nationalpark, wo es passieren kann, dass 10,15 oder 20 Jeeps sich um einen Elefanten, ein Nashorn drängeln? Die armen Geschöpfe – ich glaube, die Vierbeiner würden sich in einem Zoo viel freier und ungestörter bewegen können als „immer“ mit diesen Menschen­ansammlungen konfrontiert zu werden in dieser sog. „freien Wildbahn“. Nein – wahrlich, das ist nicht mein Ding … Also wenn schon „Tiere schauen“, dann authentisch, real. Hautnah am Geschehen, dazu ein Schuss Abenteuer-Feeling, ja, aber bitte nicht zu viel – ein bisschen Luxus muss schon mit dabei sein.  

Kaum eingecheckt in der Earth Lodge des Sabi Sabi Private Game Reserves, etwas frisch gemacht, ein leichtes, reichlich verspätetes Mittagsmahl, gehen wir schon auf Tour. Der Lebensrhythmus ist hier ein anderer. Auf Safari geht man dann, wenn die Tiere unterwegs sind. Also heißt es aufstehen um 05:30 Uhr, Abfahrt um 06:00 Uhr. Die zweite Tour ist dann ab 16:00 Uhr bis die Dunkelheit hereinbricht, also bis etwa 18:30 Uhr. 

Also machen wir uns auf den Weg zur ersten großen Safari-Abend-Ausfahrt. Unsere Großstadt-Dschungel um­nebelten Augen müssen sich erst an das „Nichts“ gewöhnen – meinen wir. Lazarus, unser Guide für die nächsten Tage, lächelt still in sich hinein und meint dann: „Habt ihr das nicht gesehen? 

Hier die Schlangenspuren im Sand, das Nashorn, nur 20 Meter entfernt, weiter hinten eine ganze Herde mit Elefanten …“ „Wie blind und taub laufen wir eigent­lich durch unser Leben?“ Für uns (mich) im Jeep fahrend, nur überall Gebüsch, knorriges, abgebrochenes, dürres Baumholz, jede Menge Unterholz, ab und zu ein Wassertümpel und... Ruhe. 

In der Ferne sichten wir dann auch erstmals eine Herde Gnus mit den (aus dem TV bekannten) Rudel Zebras, die anscheinend wirklich eine Symbiose eingegangen sind und immer zusammen unterwegs „on Tour“ sind. Ein fried­volles, ja fast biblisches Bild. In diese Stille hinein füllt sich die Luft wie aus dem Nichts mit den donnernden Hufen einer Herde Büffel, die weithin sichtbar den trockenen Staub aufwirbeln. Eine drohende Wand baut sich etwa 200 m vor uns auf, wie bei einem Filmdreh: geifernde Mäuler, große blutunter­laufene Glotzaugen, darüber mächtige Hörner, die alles, aber auch alles, was sich ihnen in den Weg stellt, niedertrampeln würden. Selbst wir Laien merken es: sie sind auf der Flucht. Vor wem?

Selber Löwe (Sternkreiszeichen), nutzen „meine Vierbeiner“, ein Rudel Löwinnen, ihr taktisches Geschick, gehen der Herde tunlichst aus den Weg und versuchen sich an einem kleineren und langsameren Büffel, weil, so die Evolution, die Schwächsten am ehesten gefressen werden. Ja, das ist der Lauf der Welt, der nur die Stärksten weiterbringt. 

Was nun im Live-Modus folgt, lässt viele Fragen, Vermutungen offen: Kaum zu glauben, wie sich eine der Löwinnen (!) mit ihren spitzen Krallen in die Hinterbacken des Büffels verkrallt und versucht, mit ihrem Eigengewicht den bis zu 600 Kilogramm schweren Koloss in die Knie zu zwingen. Die schar­fen Krallen, die mächtigen Eckzähne – sein Tod scheint besiegelt und er blökt sich die Seele aus dem Leib. Denn während er um sein Leben bangt, machen sich seine Artgenossen in Panik auf und davon und lassen ihn in einer Staubwolke mit sich und seinem Schicksal allein zurück. Er kämpft um sein Leben, die Löwen um ihr Nachtmahl. 

Und jetzt das: obwohl die Büffelherde fluchtartig schon 50 Meter und weiter ist, mit ihrem Leitbullen an der Spitze, bleibt die Herde wie auf ein stilles Kommando hin  stehen, dreht sich um 180 Grad und sprintet zurück zu ihrem Artgenossen. Sie, die dumpen Kreaturen, retten ihm, einen der Schwächeren aus ihrer Gruppe, so das Leben. Was mag sie dazu bewogen haben? Selbst wir Laien haben beobachtet, dass die Herde, angeführt von ihrem Leitbullen keinen Bogen drehte, um mit ihm als dem Anführer an der Spitze, zurück zu ihrem Artgenossen zu donnern.  In diesem Falle waren es dann die letzten Bullen/Kühe in der Herde, die ihrem Artgenossen als erstes zur Hilfe eilten. Ähm: Gibt es so etwas wie ein Gewissen bei diesen wilden Kreaturen? Wer gab das Kommando „Umkehren“? Man muss kein Zoologe sein, um mitzubekommen, wie perplex das Löwenrudel innehielt und sich dann schleunigst aus dem Staub machte. Denn die vielen Hufe, die mächtigen Hörner können jedem, der sich ihnen in den Weg stellt, töten. Nach so einem Debakel um das sicher geglaubte Abendessen war es einmal vorbei mit „lustigem Jagen“ im Löwenrudel. So ziemlich alle waren sauer. 

Das spiegelte sich in der Mimik von Mutter Löwe am besten wider, die unseren erfahrenen Fahrer etliche Meter, fast auf Armeslänge, am Jeep begleitete. Sie hatte alles ausgekundschaftet: Vergebens war all die Mühe um das lautlose Anschleichen, weil man sich in der Herde eigentlich immer das schwächste Tier aussucht. Mutter Löwe hatte es erspäht und alle haben sich nur auf das eine Tier konzentriert. Es spart so Zeit, Nerven und vor allem Kraft. Denn das letzte üppige Mahl ist schon ein paar Tage her und sechs, sieben hungrige Mäuler jeden Tag zu stopfen, ist unselig schwer. Für heute Abend gibt es kein Abendessen mehr für die Löwenfamily. Wir, die wir diese Reality-Show im Safarijeep vom Sabi Sabi Private Game Reserve miterleben durften, machen uns stillschweigend auf den Heimweg. Wir sind nachdenklich geworden. Ja, wir wissen zu schätzen, dass es einem nicht jeden Tag vergönnt ist, „Safari Live“ in dieser harten Realität so miterleben zu dürfen. Ja, es bleibt ein unvergessliches Ereignis. Schön für uns: Kaum in der Lodge angekommen, bittet man uns zum Diner. 

Erst am nächsten Tag und nach einer frühen Safaritour bei Sonnenaufgang, hatte ich die Gelegenheit meine Lodge genauer zu besichtigen. Ja – so stelle ich mir als Stadtmensch die Begegnung mit der „Wildnis“ vor. Meine Villa ist groß, modern und hat raumhohe Fensterfronten, eine private Terrasse einen kleinen Außenpool zum Abkühlen. Von hier aus blicke ich wirklich auf die freie unangetastete Wildnis, so wie sie vor tausenden Jahren, ja Jahrmillionen schon ausgesehen haben mag. Und ICH mittendrin – das ist ein gänzlich neues Gefühl, wenn wir uns neu orientieren und den Begriff Luxus für uns neu definieren (möchten).

Weit hinten sehe ich  „graue Punkte“, die sich, beim Blick durch das Teleobjektiv als Elefantenherde entpuppt. Ich fühle mich in dieser Lodge nicht eingeengt wie z.B. in den beiden benachbarten Lodges (s. nächste Seite) Die Earth Lodge überzeugt mich mit seiner Offenheit und ... weil es keine Zäune gibt, um „böse“ Tiere abzuhalten! Schaut man sich die Gebäude genauer an, so wurden deren Wände in sandfarbenen Tönen mit Strohhalmen gemischt, grob verspachtelt und geben den Eindruck einer „Lehmhütte“ wider, aber sehr komfortabel in ihrer Einrichtung. Es sind die Grün-, Grau-, oder Brauntöne, die in allen Mischformen, mit Erde, Sand in ihrem Ursprung eine Einheit schaffen, die ich bisher so nicht gesehen habe. Wohltuend sind die klaren Linien, kein Safari-Firlefanz, keine afrikanischen Masken, geschweige denn ein Geweih oder noch schlimmer irgendein Elfenbein, egal in welcher Größe und Form. „Keiner muss mir zeigen, dass ich in Afrika bin“.  

Von weitem gesehen, verschmelzen die in einen Hügel hineingebauten zwölf Villen mit ihrer Umgebung, der Unterschied zwischen hier und dort schwindet und wird so zu einer Einheit. Die Tierwelt, die seit Jahrhunderten hier ihren Pfaden folgt, hat sich mit dem Wesen Mensch arrangiert und nicht selten passiert es, dass am helllichten Tag ein paar der großen Elefanten vorbeischauen, den Pool vor den Villen fast leer saufen und dann gemächlich weiterziehen. Oder die zierlichen Impala-Böcke, die sich das Gras in den Vorgärten schmecken lassen. Es ist schön um dieses Gefühl zu wissen, dass man als menschliches Wesen hier akzeptiert wird. Oder ist es (eher wahrscheinlich) nicht so, dass wir von der Tierwelt gar nicht wahrgenommen werden, weil wir sie nicht stören, nicht einengen oder sogar töten? 

Wenn’s denn so wäre, geht das Lob für eine gelungene Integration von uns Menschen IN die afrikanische Tierwelt an die Familie Loon, die einen Teil des 65.000 Hektar großen Sabi Sands Tierreservats am westlichen Ende des Krüger-Nationalparks besitzt, der etwa 30x größer ist. Nicht umsonst heißt es aber „Wildnis“,  und in der Übersetzung bedeutet „SABI“ Furcht und Gefahr. Deshalb ist es strikt untersagt, bei einbrechender Dunkelheit außerhalb seiner Villa spazieren zu gehen. Selbst der Gang zum Haupthaus mit Restaurant und Bar, zum Gym oder Spa erfolgt stets in Begleitung eines bewaffneten Rangers. Diese Vorsichtsmaßnahme wird unterstrichen durch „Hinterlassenschaften“ von Leoparden, die sich von der abstrahlenden Wärme der Flachdächer zum Ausruhen niederlassen, oder mittelgroßen runden „Strohballen-Kugeln“, Verdauungsrückstände der Elefanten. Berichtet wird auch von Löwen, die ihre Beute hierher schleppen, um sie zu verspeisen, der Pool als Wasserquelle bietet sich ja geradezu an. Bestätigt ist ebenfalls, wie sich ein männlicher Löwe auf einen Kampf mit seinem Spiegelbild im Terrassenfenster an einer der Villen einließ. Wir dürfen Gast sein in dieser Wildnis. Und dementsprechend erwartet der „Gegenüber“, ja sagen wir – ohne es zu vermenschlichen – der „Gastgeber“ erwartet, ja pocht auf seine Rechte, die nun einmal besagen, eine unsichtbare Linie niemals zu über­schreiten. Nur so kann Safari funktio­nieren. Je behutsamer wir uns also gegenseitig dieser Linie annähern, umso erfahrungsreicher sind die gegenseitigen Begegnungen. (Dazu fällt mir der sehenswerte Film „Life of Pi“ ein).

Wie diese Annäherung reflektiert, erleben wir bei unserer nächsten Safariausfahrt. Eindringlich trichtert uns Lazarus nochmals ein, ja niemals den Jeep zu verlassen und – das war dann in meine Richtung gemünzt – ja sitzen zu bleiben. Um nur einen besseren Blickwinkel für meine Bilder zu finden, ertappte ich mich dabei, unversehens aufzustehen. Das ging bisher gut, kann aber auch völlig „daneben gehen“. 

Der Leopard, das Nashorn, und noch besorgniserregender, eine kleine Herde aufmüpfiger Jung-Elefanten oder alte Alpha-Tiere sehen darin eine Art Bedrohung und stürmen auf den vermeintlichen Gegner im Jeep los. Dann wird es ernst und Lazarus erzählt die eine oder andere Story dazu, die einem schon mulmig werden lässt. Letztendlich helfen also nur sehr gute und lichtstarke Tele-Kameras und das geschulte Auge unseres Guides, der vorne links auf der Kühlerhaube des Jeeps sitzt. Er sieht, riecht, hört Dinge, die wir nicht einmal ahnen. Ohne ersichtlichen Grund biegt Lazarus vom Weg ab und „schlägt“ sich in die Büsche und stoppt das Auto. Vor uns weiches frisches, grünes Gras, ein idyllisches Plätzchen und mittendrin: ein Leoparden­paar beim Liebesspiel.

„Wilde Peep-Show“ würde ein Videoclip heißen, hätte denn einer von uns ge­filmt. Doch irgendwie schämen wir uns, einfach so mit zuzuschauen! Auch ist der eigentliche Akt nur ein Sekunden­spiel, das Drumherum kann jedoch auch bis zu vier Tage (!) dauern, wie Lazarus versichert. Interessant auf jeden Fall zu sehen, wie sich das Weibchen immer wieder „anbietet“, das Männchen sich „aufrafft“, um nach seinem Sekundenakt mit einem Biss und/oder „Watschn“ verscheucht zu werden und dann „wie tot“ umfällt. Gut, wir wissen nicht, wann das große Liebesspiel begonnen hat, aber nach etwa 10 Minuten ist er wieder fit und lässt sich auf ein erneutes Liebesspiel mit seiner Partnerin ein. 

Tja  – die Frauen halt …

Es klingt unrealistisch, ist aber wahr. Bereits bei den ersten beiden Safaritouren haben wir alle „Big Five“ gesehen. Nicht ein Nashorn, sondern gleich drei, vier in einer Gruppe, Elefanten die plötzlich aus dem Dickicht brechen und wenige Meter vor unserem Jeep die Straße queren, als ob sie uns klar machen, wer hier der eigentliche „Herr im Haus“ ist. Selbst eine Familie Giraffen, sonst immer nur aus zig Metern entfernt, stand plötzlich nur wenige Meter in voller Größe vor uns. Erhaben, elegant, souverän die Lage überblickend. Mein Wunsch nach einer „richtigen“ Safari war in Erfüllung gegangen. Unvergesslich mit vielen Fragen, auf die es für uns Laien keine Antworten gibt.  Doch Safari ist mehr und jetzt profitieren wir vom großen Erfahrungs­schatz unseres Guides Lazarus. Mit leiser, ja fast ehrfurchts­voller Stimme erzählt und zeigt er uns bei einer „Walking Tour“ sein Afrika. Klar hat er sein schussbereites Gewehr dabei und freimütig erklärt er uns: „Wenn ich schieße, dann nicht zur Abschreckung, sondern um zu töten. Damit erfüllt er das Gleichgewicht, die Balance zwischen Tier und Mensch in der freien Wildnis. Obwohl – in 14 Jahren als Ranger musste er seinen Anspruch noch niemals unter Beweis stellen. 

Man respektiert sich anscheinend gegenseitig zum beiderseitigen Wohl. Gleich zu Beginn sorgt er für eventuelle Notfälle vor: Er zeigt uns die Nutzung der Blätter einer Trauerweidenart. 

Er sagt, es wäre ein „Klopapierbaum“ – für alle Fälle. Doch wer würde sich schon mit einer Handvoll der weichen Blätter nur ein paar Meter, blickgeschützt von Lazarus und uns entfernt, hinter einen Busch zum „Geschäft“ wagen? 

Auf unserem Fußmarsch werde ich das Gefühl nicht los, dauernd unter Beobachtung zu stehen. Wer sieht mich? Wer hört mich? Wer riecht meinen Schweiß, der mir wegen der schon warmen Temperaturen den Rücken runterrinnt? Und umgekehrt? Sehe ich was? Höre ich was? Rieche ich irgendwas? Ich komme mir vor wie ein Blinder und muss mich auf meinen Führer Lazarus verlassen. Er bringt uns dazu nicht nach oben, sondern nach unten zu schauen in die kleine Welt Afrikas: den Small Fives.

Lazarus stammt aus einer Rancher-Familie. Und geduldig wie sein Vater ihm Vieles gelehrt hat, lehrt der jetzt 40jährige es seinen sechs Kindern und Enkelkindern ... und aus Berufung auch seit über 14 Jahren uns, den Touristen aus aller Welt. Er lehrt uns, was LEBEN  bedeutet. Er lehrt uns zu riechen, zu hören, zu sehen. Da eine Eule, die in einem Astloch eines abgestorbenen Baumes haust, dort die Höhle eines Erdferkels in einem Termitenbau, die geschickte Tarnung einer Leoparden­schildkröte, Eisvögel mit ihrem blau/türkisen Farbkleid, bunt schillernde und metallic glänzende Eidechsen und Tausendfüßler u.a. Letztere haben keine tausend Füße, aber aus deren runden, weiß gebleichten Skelettknochen (erlegt von einem Skorpion und gebleicht in der brütenden Sonne) lassen sie sich als „absolut bio“ als wunderschöne Anhängsel für einen Armreif oder Halsschmuck aufreihen. Wir sehen die Überreste eines Zebras, das vor ein paar Tagen hier erlegt wurde. Übrig geblieben sind eine Handvoll Knochen. Hoch über unseren Köpfen zieht ein Fischadler seine Kreise und zielsicher bestimmen wir in der Dämmerung: „Das ist eine Fledermaus“. Beim Sattelstorch erkennen wir in der Gruppe eine Ähnlichkeit zu Marabus, wundern uns aber über den knallrot-orangen Schnabel, und der Tatsache, dass der Storch auch hier in Afrika die Kinder zur Welt bringt.  

Der letzte Abend offenbart uns dann unsere Wenigkeit im Kreislauf von Mensch und Tier. Wir stehen im Jeep auf einer vom Vollmond erleuchteten Hochebene. Wie schon am Vortag beschließen wir, den abendlichen Safariausflug standesgemäß mit einer Flasche Gin,Tonic Water ausklingen zu lassen und schwenken leise die Eiswürfel in den Gläsern. Instinktiv spüren wir eine Gefahr, die sich nur etwa hundert Meter entfernt vor uns „aufbaut“. Wie aus dem Nichts sehen erst unsere Guides, dann wir die gewaltige Kulisse eines mächtigen Elefanten, der uns sehr genau zu fixieren scheint. Der Größe nach ein „Alter“, ein Alleingänger und daher um­so unberechenbarer. Wie er so da steht, die beiden Ohren breit aufgestellt – oh, das bedeutet nichts Gutes. Unsere Guides drängen uns, möglichst langsam und ohne große hektische Bewegungen wieder in den Jeep zu steigen, während sie die kleinen Snacks, die Gläser auf der Kühlerhaube des Autos wieder langsam und bedächtig einsammeln. Das war knapp und Lazarus meint, manches sollte man nicht herausfordern. Wir alle geben ihm Recht. Ich, wir haben es hier in SABI Sands gesehen und erleben dürfen: den ewigen Kreislauf der Natur:  jagen, fressen, koten, fort­pflanzen, gebären. Und alles beginnt wieder von vorne. 

Seit Jahrtausenden, Jahrmillionen und dieser Kreislauf wird auch uns Menschen überdauern – sofern wir ihn vorher nicht in unserer Selbstherrlichkeit mutwillig zerstören mit unseren klugen Köpfen, unserer Weisheit und der Überzeugung „The Big One“ zu sein. 

Bush Lodge 

Wäre die Bush Lodge ein Werk einer Kunstausstellung, so hinge sie in der Zeitgenössischen-Moderne. Skulpturen und Kunstschätze aller Art und aus allen Teilen des Kontinents bringen Leben in die berühmte Lodge. Zusammen mit den satten warmen Farben spiegelt sich die wohltuende Wärme und Vielseitigkeit Afrikas. Unvergleichlich dazu der weite Blick in den Busch, über die Ebene und bis zum Wasserloch. Von den beiden Decks — ideal für Wild- und Vogelbeobachtungen — ebenso wie aus den Badezimmern mit ihren bodentiefen Glasfronten 

 

Little Bush Camp

Mit nur sechs Suiten in einer „eingerahmten Anlage“ ist es ein liebevolles Familienrefugium, intim, liebevoll, umsorgt von einem herzlichen Service. Die Suiten sind freistehend und haben eigene Gärten. Der Blick schweift von der Terrasse auf das Flussbett, das wie eine riesige Bildleinwand wirkt. Ideal für sicherheits­orientierte Freunde und Familien inmitten einer spektakulären Naturlandschaft. 

 

Selati Camp

Historisch, romantisch, abenteuerlich. Wie durch die Sepialinse fotografiert – so mutet das Selati Camp an. Zurück in die Zeiten der große Safari-Ära und der Eisenbahn. Daran erinnern auch die vielen Unikate und Originale, die im ganzen Camp zu finden sind. Jede Suite wurde mit handverlesenen Schätzen ausgestattet. So lebt der Charme der kolonialen Vergangenheit bis heute. Das Selati Camp ist eine Reminiszenz an die Goldsucher. Eine Legende unter den Busch-Camps nahe der Selati Eisenbahn­linie, deren Spuren bis heute noch sichtbar sind und nach der das Camp benannt wurde. Das Selati Camp, ist größtenteils eingezäunt und öffnet sich nur nach einer Seite hin zur der Wildnis.

 

Infos

Anreise SAA fliegt täglich von Frankfurt und München in knapp elf Stunden nach Johannesburg (Preis ab 900 Euro). Weiter zwei Mal täglich in 50 Minuten mit SA Airlink nach Skukuza (ab 110 Euro). 

Mehr unter www.flysaa.com und flyairlink.com

 

Unterkunft „Sabi Sabi Private Game Reserve“ betreibt vier Lodges in Sabi Sands: Earth Lodge (ab etwa 1300 Euro), Little Bush Camp, Bush Lodge, Selati Camp (ab ca. 750 Euro Übernachtung pro Person inklusive Mahlzeiten, Getränken und Safari-Aktivitäten). Die Earth Lodge hat einige Designauszeichnungen bekommen. 

Mehr unter www.sabisabi.com

 

Gesundheit Aktuellen Impfschutz 

auf Standardimpfungen überprüfen. Erhöhtes Malariarisiko von Oktober bis Mai im Osten der Mpumalanga-Provinz (mit Krügerpark), im Norden und Nordosten von der Limpopo-Provinz, im Nordosten von KwaZulu-Natal. Eine Malariaprophylaxe 

wird im Allgemeinen empfohlen, gegen Hepatitis A und B sollten Reisende geimpft sein.

Weitere Informationen beim Fremden­verkehrsamt: 

www.dein-suedafrika.de